Das fragwürdigste aller nationalen Güter?…

18 Dez

Nationalsymbol Hermann....

„Auch wenn sonst alle Sicherheiten zusammenbrechen – die Vorstellung, daß das Wirtschaftsleben einer globalen, sinnvollen oder brutalen, aber jedenfalls weltumspannenden Rationalität folgt, ist einer der letzten Anker in der Krise. Was bleibt, wenn man sich von diesem Gedanken verabschiedet? Eigentlich nur der Rückfall in eine finstere Vergangenheit. Dort lauert dann, das ist allen Beteiligten klar, das Gespenst des „Nationalcharakters.“ Welche historischen Verheerungen die Idee mit sich gebracht hat, die Angehörigen einer Nation oder gar „Rasse“ besäßen kollektive Eigenarten oder Charakterzüge , die unveränderlich existieren, im Fremden bekämpft und im eigenen bewahrt werden müssen, bedarf eigentlich keiner Erläuterung. Schon Marxisten wie Josef Strasser wußten den Nationalcharakter Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts als „das fragwürdigste aller nationalen Güter“ zu brandmarken:  „Nämlich er existiert nicht.“  Kein ernsthafter Sozialwissenschaftler würde dem heute widersprechen, kein Forscher käme auf die Idee, ganze Bevölkerungsgruppen zu stereotypisieren und individualpsychologische Modelle auf Gesellschaften anzuwenden.“

( SZ – Redakteur Tobias Kniebe in seiner Rezension des neuen Buchs „Boomerang“ von Bestseller – Autor und Vanity Fair – Reporter Michael Lewis im Feuilleton der SZ v. 17./18. Dezember 2011 unter dem Titel „Der kalte Blick“)

Ohne eine wissenschaftliche Diskussion anstoßen zu wollen einfach nur die Frage, Herr Kniebe:

Wenn das alles so ist, wenn es den Völkern, insbesondere unserem Volk, am Nationalcharakter gebricht, warum spricht dann selbst Henry Morgenthau von ihm, warum wurde dann seit den Macy – Konferenzen im Zweiten Weltkrieg mit nahezu  a l l e n  Mitteln am Auslöschen des angeblich bösartigen deutschen Nationalcharakters gearbeitet? Warum wird den Deutschen kollektiv Verantwortung und Schuld wegen des Verfolgungsschicksals der Juden und anderer Völkerschaften auferlegt? Warum werden die Deutschen ausgedünnt, verwässert und kolonialisiert, wenn doch nichts zeitlos Charakterisierendes und Verbindendes an ihnen vorzufinden ist?

Warum wird immer öfter von der multipolaren Welt, von Völkerfrühlingen und erwachendem Nationalismus gesprochen?

Herr Kniebe, zu kurz, zu schnell, zu apodiktisch gesprungen!

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