Einer stand auf…

9 Dez

Einer stand auf der scharf wie blitz und stahl

Die klüfte aufriss und die lager schied

Ein Drüben schuf durch umkehr eures Hier..

Der euren wahnsinn so lang in euch schrie

Mit solcher wucht dass ihm die kehle barst.

Und ihr ? ob dumpf ob klug ob falsch ob echt

Vernahmt und saht als wäre nichts  geschehn..

Ihr handelt weiter, sprecht und lacht und heckt.

Der warner ging..dem rad das niederrollt

Zur leere greift kein arm mehr in die speiche.

Stefan George

Heutzutage müssen   V i e l e   aufstehen, sich von dem herniederrollenden Rade eher den Arm brechen lassen als jemals aufzugeben!

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4 Antworten to “Einer stand auf…”

  1. Pietro del Monte Dezember 15, 2012 um 10:42 pm #

    Lieber niekisch,
    ich teile deine Meinung nicht. Man muß auch mit seiner Person, seinen Taten, seiner Biografie für das stehen, was man sagt und schreibt.
    Zu George gibt es nichts weiter zu sagen. Das heroische Getue in seinen Gedichten wirkt unglaublich aufgesetzt und nicht authentisch. Es wird auch noch unterstrichen durch seine überaus dämonische Ausstrahlung, die auch heute noch aus viele Fotografien von ihm spürbar ist. Seine Texte waren Giftköder um idealistische, tatendurstige Jünglinge an sich zu binden.
    Zu Jünger. Wir Nachgeborenen sollten uns hüten, den moralischen Stab über einen Menschen zu brechen, der die politisch turbulenten Zeiten des 20. Jahrhundert hautnah miterlebt hat. Vom Kaiserreich bis zur wiedervereinten Brd. Der seinem Vaterland in 2 Weltkriegen im Waffenrock diente. Der auch in der chaotischen Weimarer Systemzeit nicht inaktiv war.
    Und waren es nicht einst junge Schwärmer aus dem George-Kreis, die eben jenen Kniebolo in die Luft sprengen wollten, auf den sie auch ihren Eid geleistet hatten?
    Verblendet vom heroischen Tyrannenmord und doch nur nützliche Idioten derer, die nichts anderes als die Vernichtung der Deutschen Reiches im Sinn hatten.

    • niekisch Dezember 16, 2012 um 2:05 pm #

      „Man muß auch mit seiner Person, seinen Taten, seiner Biografie für das stehen, was man sagt und schreibt.“

      Fast bin ich geneigt zu sagen, Pietro del Monte: Und wie, wenn man später anders redet oder schreibt als man zuvor gehandelt hat? Gibt es einen einzigen Menschen, der das zur Deckung bringt? Oder sein Handeln mit seinen vorherigen Aussagen in Gleichklang bringt? Bsp. Adolf Hitler: In „Mein Kampf“ und in Reden Revanchegedanken gegen Frankreich aufgrund dessen imperialistischem Verhalten gegenüber Deutschland. Später nach dem deutschen Sieg über Frankreich 1940 fast das Gegenteil, 1945 die Einsicht, er hätte sich besser mit den politischen Führern der Arbeiterschaft in den besetzten Ländern verbündet. Heißt all das Inkonsequenz bis Charakterlosigkeit oder – wenn auch späte – Einsicht in das Richtige? Wer will hier richten und Menschen alleine wegen des Auseinanderfallens von Reden und Handeln verdammen?

      Wir kommen da auch nicht weiter, wenn wir noch hinzubetrachten, daß die NSDAP am Grab Stefan Georges in der Schweiz einen Kranz mit dem Hoheitszeichen niederlegen wollte, was ihr verweigert wurde. Leben und Politik haben viele Facetten..

      Stefan George mag für uns Heutige kein Vorbild sein, aber viele seiner Worte spiegeln dennoch unser Eigenes in unnachahmlicher Weise.

  2. Pietro del Monte Dezember 9, 2012 um 6:03 pm #

    Ja, Stefan George. Markige Zeilen. Aber diese Worte sind in meinen Augen nichts wert. Weil er als Mensch und Person in keiner weise für das steht, was er so schwungvoll zu Papier brachte. Und wenn das nicht gegeben ist, ist es nur effektheischendes, hohles Wortgeklingel.
    Er hat sein ganzes Leben lang Menschen (fast nur junge Männer) ausgenutzt, ausgebeutet und sich aushalten lassen. Wirklich schaffende, harte körperliche Arbeit war nicht sein Ding. Ganz abgesehen von seinen abartigen Neigungen. Ich verachte solche Menschen zutiefst.Und Sie verdienen es, ins dunkle Reich der Bedeutungslosigkeit und des Vergessens gestoßen zu werden.
    Da schätze ich doch mehr Leute wie Ernst Jünger und August Winnig. Wahre Tatmenschen, die standen, für das was sie sagten oder schrieben.

    • niekisch Dezember 10, 2012 um 12:41 pm #

      Andererseits, Pietro del Monte: Wo kommen wir hin, wenn wir Worte nur gelten lassen in Verbindung mit wertgeschätzten Personen. Wenn also die Menschen conditio sine qua non der Worte sind. Entfällt der Mensch, dann entfallen auch die Worte. Dann verliert fast alle Sprache an Wert oder wird insgesamt weggefegt. Ich halte den Text für die jetzige Situation für sehr bedeutsam. Wo ist der die Gemeinschaft insgesamt widerspiegelnde Mensch, der ihr den Spiegel vorhält, vor die Reihen tritt, die Verantwortung übernimmt und den Sturz des Alten, Faulen, einleitet? Immer sind es Einzelne gewesen, die den Anstoß gaben. Manchmal sogar deswegen, weil ihnen die Worte Minderwertiger einen Mosaikstein für ihr Wollen gaben.

      „Da schätze ich doch mehr Leute wie Ernst Jünger und Ausgust Winnig“

      Wobei Du dann eigentlich bei Ernst Jünger auch große Bedenken haben mußt. Erinnere ich mich richtig an eine Stelle in den „Stahlgewittern“, wo Jünger einen Schwerverwundeten Kameraden liegenläßt und weiterstürmt? Vermissen wir da nicht etwas? Haben sich nicht noch tapfere Deutsche zu Anfang 1945 in das bereits eingeschlossene Königsberg begeben – einer sogar aus den USA – um seiner Heimat notfalls bis in den Tod beizustehen? Beschimpfte hingegen nicht Ernst Jünger denjenigen, auf den er den Soldateneid geschworen hatte und dessen Uniform mit dem Hoheitsabzeichen er trug, als „Kniebolo“, nannte seinen Namen nicht offen, um ungeschoren zu bleiben? Stand Ernst Jünger nicht mit einem Glas guten Rotweins auf dem Dach des Hotel Majestic in Paris und beobachtete die Luftschläge der Alliierten, sah junge deutsche Panzersoldaten auf dem Weg an die Invasionsfront, ohne sich ihnen freiwillig anzuschließen wie mein Vater, der für das Vaterland als Fallschirmfreiwilliger in die Hölle des Kessels von Falaise ging? Ernst Jünger wälzte in dieser Zeit Akten. Als unsere Eltern nach 1945 schon wieder im Dienst der nationalen Sache standen, sammelte Ernst Jünger Käfer, ließ sich hofieren und Orden umhängen, mit denen ihn auch schon Wilhelm II. und sein von ihm verachteter Führer, genannt „Kniebolo“, beehrt hatten, ohne daß er sie verweigerte. Von seiner Wende zum freimaurerisch angehauchten Weltbürger der letzten Jahre will ich garnicht erst mehr anfangen..

      Wenn wir schon nicht Menschen gelten lassen, dann wenigstens ihre über die eigene Bedeutung hinausgehenden Worte.

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