Zur Reichsgründung: Gastbeitrag von „Hallo Zeitgeist“

20 Jan
Der Schmied der Einheit -Bismarck

Der Schmied der Einheit –
Bismarck

Gedenken an die Reichsgründung:
Wie eine „virtuelle Melodie“ aus alter Zeit
Man glaubt es kaum! Was schreiben offen debattierende Historiker über das zweite Deutsche Kaiserreich…? Es gibt da beispielsweise eine recht erstaunliche Buchbesprechung, die 2007 auf „Welt.de“ zu finden war. Darin heißt es unter anderem: Der oft angeprangerte „Junker-, der Militär- und der Obrigkeitsstaat“  sei bei näherer historischer Analyse schlicht und einfach „eine Konstruktion“. Wenn man dem folgen will, und ich habe keinen Zweifel daran, dann bedeutet eine solche Feststellung aus Wissenschaftlermund nichts anderes, als dass uns in der Öffentlichkeit seit allzu langer Zeit noch viel von der gegnerischen Propaganda aus dem Ersten Weltkriegs serviert wird – immer wieder aufgewärmt, in sogenannten History-Filmen, Zeitungsberichten usw.
Die Welt.de-Rezension, die sich auf eine Aufsatzsammlung international anerkannter Historiker bezog, erwähnte unter anderem: Während man zu Zeiten des Kaiserreiches in Frankreich aus Sicherheitserwägungen zu Sondergesetzen bereit gewesen ist, wäre dergleichen im kaiserlichen Deutschland so wie im Nachbarland nicht vermittelbar gewesen. Auch sei die Armee in Frankreich bei Streiks schneller eingesetzt worden, um die öffentliche Ordnung wieder herzustellen als in Deutschland (Primärquelle dazu: Sven Oliver Müller und Cornelius Torp: „Das Deutsche Kaiserreich  in der Kontroverse“).
Wilhelm auf der Seite der „einfachen Leute“
Man bedenke zudem, dass in Wilhelminischer Zeit das erste öffentliche Sozialversicherungssystem ins Leben gerufen wurde, wofür Deutschland bis heute weltweit als beispielhaft gilt. Anerkannt wird in verschiedenen Quellen auch, dass selbst in der Arbeiterschaft es während der Kaiserzeit zu einer deutlichen Hebung des Lebensstandards gekommen war. Und Wilhelm II stellte sich in Arbeitsauseinandersetzungen im Ruhrgebiet deutlich auf die Seite der Arbeiter, bezog dabei sogar Stellung gegen Bismarck.
Damals eine moderne Monarchie
Doch es gab nicht nur die wichtige soziale Komponente: In der Kaiserhymne – „Heil dir im Siegerkranz“ – kommen (was auch einmal zu unterstreichen ist) mehrfach die Worte „Handel und Wissenschaft“ vor. Das Reich war also bei allem vernünftigen Patriotismus ein im wohlverstandenen Sinne weltoffener Staat – will heißen: Nationalgefühl und eine Art von Weltbürgertrum schlossen sich keinesfalls aus, warum auch! Noch bis in die Weimarer Zeit galt das Deutsche  international als eine führende, wenn nicht die führende Wissenschaftssprache. Von der deutschen Pharmazie wurde sogar bis in jüngere Zeit als „Apotheke der Welt“ gesprochen, was sicher ebenfalls seine Wurzeln noch zu wilhelminischer Zeit gefunden hatte. Und von der Kraft internationaler Handelsbeziehungen her war das kaiserliche Deutschland mit den Vereinigten Staaten von Amerika gleichauf. Hätte es 1913 nicht die verschwörerische Gründung der Federal Reserve Bank in den USA gegeben, wären die Staaten wahrscheinlich auch nicht in den Ersten Weltkrieg eingetreten, der – folgt man einigen PC-kritischen Autoren – rein aus wirtschaftlichen Gründen geführt wurde. Und zwar von Churchill und Bank-Kreisen sowohl der Wallstreet als auch der City of London auf subtile Weise eingefädelt.
Selbst Wikipedia…
Wenden wir uns aber der Zukuft zu, im stillen Gedenken an die Reichsgründung, deren Energie als virtuell wirksamer Einfluss unser Kollektivbewusstsein immer noch begleitet – geradezu vergleichbar einer unbewussten Melodie aus alter Zeit. Sich hierauf als identitäre Kräfte zu beziehen, wird einen nicht unerheblichen Kraftschub bringen. Wenn ich zum Beispiel bei geselligen Zusammenkünften äußere, ich stünde rechts von CDU und CSU, löst das erstmal einen kleinen Kulturschock aus. Sage ich dann aber, dass ich die Traditionen der Monarchie im Herzen bewahre, entspannen sich die Gesichter schon mal, und weiblicherseits wird das dann meist sogar irgendwie als „charming“ empfunden. Nicht umsonst verkaufen sich Adelsgeschichten in der Regenbogenpresse so gut. Ich erwähne diese mehrfach gewonnene Erfahrung, um das kommunikative Potential anzudeuten, das in einem Traditionsbezug auf das Kaiserreich (und natürlich auf die Revolution von 1848) für Identitäre besteht. Im ersten Moment scheinen sich 1848 und 1871 zu widersprechen. Aber nur im ersten Moment und auf den ersten Blick. Denn was verrät sogar Wikipedia?
„Bei alledem forderte Kaiser Wilhelm II. noch während Bismarcks Kanzlerschaft am 178. Geburtstag Friedrichs des Großen in einer Proklamation an sein Volk, mit der Devise: « Je veux être un roi des gueux » (frz.; zu dt. „Ich will ein König der Bettler sein“) das Verbot der Sonntagsarbeit, der Nachtarbeit für Frauen und Kinder, der Frauenarbeit während der letzten Schwangerschaftsmonate sowie die Einschränkung der Arbeit von Kindern unter vierzehn Jahren.“
Nicht zu vergessen auch, dass es unter Reichskanzler v. Caprivi in den 1890er Jahren zu einer strengen Anti-Spekulationsgesetzgebung kam, deren restriktive Handhabung der Börsengeschäfte ein neues Wirtschaftsmodell – alternativ zum angelsächsischen – hervorbrachte. Zusammen mit dem schon vorher stattgefundenen forcierten Ausbau technischer Hochschulen und der gesamten Infrastrukturentwicklung wurden im Kaiserreich als dem 1871 gegründeten deutschem Nationalstaat wesentliche Rahmenbedingungen auch für späteren deutschen Wohlstand gelegt.
All das muss nicht bedeuten, dass unbedingt eine neue konstitutionelle Monarchie anzustreben sei. Aber ihrer Traditionen zu gedenken, kann uns eine Kraftquelle für die Zukunft sein.

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37 Antworten to “Zur Reichsgründung: Gastbeitrag von „Hallo Zeitgeist“”

  1. Moritz Haberland Januar 30, 2013 um 11:53 pm #

    Ich sag´s ja, auf meine DDR-Erziehung ist einfach Verlaß.
    Die US-Mauerstraße und die GB-Fließstraße sind uns
    immer als Sinnbild des imperialistischen Übels anerzogen
    worden…und siehe da…diese Aussage stimmt seit ca. 50 Jahren.

  2. Hallo, Zeitgeist Januar 30, 2013 um 1:47 pm #

    @ Niekisch

    „Interessant, wie der Finanzmarkt damals im Gesamtinteresse reguliert wurde. Das wird heutzutage sicher nicht mehr gelingen.“

    Ja, da weist ja auch F. Wiliam Engdahl in seinem Buch „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“ hin (Kopp-Verlag). So hätten v. Caprivis Entscheidungen, die ganz im Sinne dessen gewesen sein dürften, was Wilhelm II intendierte, genau jene kontinentaleuropäische bzw. deutsch formulierte Wirtschaftsauffassung ergeben, die briitschen Interessen so sehr ein Dorn im Auge war.

    Ps.: Mit „Ölwaffe und Weltmacht“ ist das angelsächsische Imperium – etwa City of London und später Wallstreet – gemeint.

  3. Peter Januar 29, 2013 um 11:11 pm #

    Einige Rechercheergebnisse zum Thema der wirtschaftlichen Verfassung jener Zeit:

    In den Gründerjahren baut sich eine der ersten Spekulationsblasen auf. Aufgrund der wachsenden Einwohnerzahl kommt es in Berlin zu einer Verknappung des Wohnraums. Spekulanten nutzen den Bauboom auf ihre Weise: Unzählige neu gegründete Baugesellschaften bringen Aktien an die Börse, nicht wenige von ihnen realisieren ihre geplanten Bauvorhaben nie. Die Presse reagiert mit scharfer Kritik am „Börsen- und Gründungsschwindel“. Die Börse revidiert daraufhin ihre Börsenordnung und erlässt strengere Handels-Regularien. 1895 greift der Staat durch Erlass des Börsengesetzes ein, das einschneidende Änderungen im Terminhandel vorsieht und den börsenmäßigen Produktenhandel stark einschränkt.

    http://www.boerse-berlin.de/index.php/Boerse_Berlin/Geschichte

    Auch als im Zuge der Gründerjahre und des Wirtschaftsaufschwungs unzählige Firmen zu Aktiengesellschaften wurden (zwischen 1870 und 1874 gab es allein in Preußen 857 Gründungen), verhielt sich Frankfurt diesen Wertpapieren gegenüber zögerlich.

    Erst das Börsengesetz von 1896 schuf eine einheitliche Organisation der 29 Wertpapierbörsen in Deutschland. Damit wichen auch die bisherigen lokalen Bestimmungen in Frankfurt einer reichsweiten Regelung, die noch bis heute weitgehend maßgeblich geblieben ist.

    http://www.boerse-frankfurt.de/de/wissen/geschichte/18-19+jahrhundert

    1871 förderten die französischen Reparationen Liquidität und Finanzierungsmöglichkeiten. Die Gelder wurden aber im Gründerboom angelegt und in neue Aktiengesellschaften investiert. Die Disproportionalität zwischen Angebot und effektiver Nachfrage äußerte sich schließlich in Produktionsrückgang, Arbeitslosigkeit, Preisverfall und Unternehmenszusammenbrüchen. Nach Überwindung dieser sogenannten Reinigungskrise entwickelte sich Deutschland zur zweitgrößten Industriemacht der Welt sowie dem drittgrößten Kapitalexporteur.

    http://www.boerse-duesseldorf.de/dieboerse/ueber_uns/historie

    Baltzer kann zeigen, dass Veränderungen der Aktienmarktrenditen keine Auswirkungen auf das reale Wirtschaftswachstum gehabt haben (S. 163). Dieser Befund unterstreicht, dass die Gründerkrise vornehmlich eine Aktienmarktkrise gewesen ist. Dieses Resultat bestätigt Baltzer indem er den Zusammenhang zwischen Zinssatzdifferenzen und Wirtschaftswachstum betrachtet

    http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2008-1-016

    So ganz nebenbei bin ich über ein teils ernüchternden Beitrag von Dr. Bernhard Kugler,Dez. 1866 in Tübingen, gestoßen,der die Zeit der Fürstentümer unter römischer Herrschaft ein wenig beleuchtet:

    http://books.google.de/books?id=-z4AAAAAcAAJ&printsec=frontcover&dq=Zahlen+Fakten+Kaiserzeit+deutschland&hl=de&sa=X&ei=iEgIUf6dAZGIhQfhyYDwDA&ved=0CC8Q6AEwAA#v=onepage&q=Zahlen%20Fakten%20Kaiserzeit%20deutschland&f=false

    • niekisch Januar 30, 2013 um 11:09 am #

      Interessant, wie der Finanzmarkt damals im Gesamtinteresse reguliert wurde. Das wird heutzutage sicher nicht mehr gelingen.

    • Hallo, Zeitgeist Januar 30, 2013 um 1:38 pm #

      @ Peter

      Vielen Dank, für die Links und speziell für den Vortrag aus dem Jahr 1866 (siehe letzter Link). Einfach toll, woher hast du den…?

      Grundsätzlich werden darin ja die Fürsten des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation kritisiert (habe das Dokument zwar erst kurz anlesen können, aber hoch interessant). Einschließlich der Habsburger habe es nach dem Vortrag eine verfehlte Politik der Rekonstruktion des römischen Weltreichs gegeben, die das Volk nicht mehr haben wollte.

      Als einen immerhin volksnahen Habsburger kann man allerdings Joseph II betrachten, der als Vertreter des Aufgeklärten Absolutismus galt und offenbar Friedrich den Großen bewunderte. Joseph soll auch seine Schwester Marie Antoinette gewarnt haben, dass eine große Katastrophe geschehen werde, wenn es nicht zu Reformen in Frankreich komme. Wie recht er doch hatte, sollte dies tatsächlich so in einem Briefwechsel gestanden haben, wie eine Fernsehdokumentation vor etwa zwei Jahren berichtete…. (weiß nicht mehr welcher Sender).

      Wikipedia vermerkt u. a. folgendes über diesen Habsburger: „Für ihn war das Herrschertum ein Amt, ein Dienst am Staat als übergeordnetem Ganzen. ‚Alles für das Volk, aber nichts durch das Volk‘ war sein angeblicher Leitspruch, der seinen Regierungsstil zutreffend charakterisiert.

      Joseph II. versuchte den Einfluss des Adels und des Klerus zurückzudrängen. Die Leibeigenschaft der Bauern etwa wurde durch das Untertanenpatent am 1. November 1781 aufgehoben. Die adligen Ständeversammlungen wurden zugunsten von Staatsbeamten zurückgedrängt.

      Dies hatte auch mit Josephs Zentralisierungstendenzen zu tun. So versuchte er, aus Österreich einen Einheitsstaat mit (Hoch-)Deutsch als Staatssprache zu machen. Die althergebrachten Sonderrechte der Länder seines Herrschaftsbereiches wollte er abschaffen.“

      Wenn Wikipedia zwar oft mit einer gewissen Skepsis zu lesen ist, wird das Internet-Lexikon jedoch mit der Wiedergabe der nachfolgenden Kritik aus Josephs Zeit richtig liegen, dass er zu viel auf einmal wollte und in seinen Absichten undiplomatisch und strategisch unklug vorgegangen sei. Dennoch immerhin ein Monarch mit gutem Willen auch im Heiligen Römischen Reich.

  4. Hallo, Zeitgeist Januar 29, 2013 um 6:34 pm #

    Hallo, Peter, hallo Niekisch,

    „…Die durchschnittliche deutsche Arbeitslosenquote zwischen 1871 und 1914 betrug lediglich 1-2% (zum Vgl.: Großbritannien: 5-10%, Frankreich: 6-10%). Das durchschnittliche Wachstum der Wirtschaft zwischen 1896 und 1913 lag bei 3,4% jährlich.
    Die Preise verhielten sich, bedingt durch den Goldstandard (offiziell seit 1.6.1909, in praxi schon seit 1875/76) und die geringe Staatsverschuldung, stabil, was sich auch anhand der Preissteigerungsrate ablesen läßt: Die jährliche Inflation zwischen 1871 und 1914 betrug gerade einmal 0,48%,“

    Quelle:

    http://www.wilhelm-der-zweite.de/kaiser/grossersprungnachvorn.php

  5. Hallo, Zeitgeist Januar 29, 2013 um 5:33 pm #

    Hallo, Peter, hallo, Niekisch,

    ich habe gerade den Hinweis im Internet gefunden:

    „,,,Dabei ist zu ergänzen, daß das damalige Deutschland mit gewaltigen sozialen und wirtschaftlichen Herausforderungen fertig werden mußte. Der rasante Übergang von einem Agrarstaat zu einem Industriestaat, das stetige Bevölkerungswachstum (1871: 40 Millionen Einwohner, 1914: ca. 68 Millionen Einwohner in Deutschland) sowie die zunehmende Internationalisierung des Warenverkehrs stehen stellvertretend für den epochalen Modernisierungsschub des Kaiserreichs“

    Quelle:

    http://www.wilhelm-der-zweite.de/kaiser/grossersprungnachvorn.php

    Es ist eine für meine Begriffe sehr interessante Internet-Seite, die sich positiv mit der Wilhelminischen Epoche beschäftigt. Darin werden wiederum anerkannte Wissenchafller erwähnt.

    Ich werde, da ich ohnehin im Moment einiges noch zum Kaiserreich zu recherchieren habe, am Ball bleiben und – mal sehen, falls in unserem Kontext passend – in diesen Diskussionsstrang einstellen.

    • niekisch Januar 29, 2013 um 6:27 pm #

      Das paßt ja, Hallo Zeitgeist, zu meiner kurzen Bemerkung.

  6. Peter Januar 29, 2013 um 11:09 am #

    Hallo Zeitgeist ,

    leider habe ich gerade nicht viel Zeit,weil ich auf Arbeit muss. Ihr Beitrag habe ich wieder einmal mit höchstem Interesse gelesen,und auch die Teile zu Ihrer Biografie (Vielen Dank für die Ausführlichkeit). Und stelle Parallelen fest. Auch ich habe die linken Wanderjahre gehabt,und diese auch recht extrem ausgelebt und habe trotz der Exzessivität der linken Ideologie viele Gespräche mit der anderen Feldpostnummer gehabt. Und dabei waren wirklich so einige (auch hochrangige) Personen ,deren Geprächsnähe mir gefallen hat.Weil man sich auf einen ganz anderen Niveau getroffen hatte und die Gespräche nicht einseitig geprägt waren vom Kampfgedanken wie bei den linken Kreisen.

    Mein Wissen über unsere Geschichte war fragmentarisch und vor allem,Dank der DDR, einseitig beleuchtet. Ich hatte dann das Riesen-Riesen-Glück einen alten Geschichtslehrer getroffen zu haben,der mich quasi „entjungferte“,er hat es fertig gebracht,mir Zusammenhänge und logische Schlüsse aufzuzeigen,die ich so in der kurzen Zeit niemals hätte nachvollziehen können. Ich hing an seinen Lippen und saugte jedes Wort auf,und von da an sah ich die Welt,die Gesellschaft und die Politik mit anderen Augen. Ja,ich begann zu verstehen. Und was folgt nach diesem Verstehen? Die Ohnmacht ,diese blinde und hilflose Ohnmacht,dass das allierte Räderwerk weiter und weiter sich dreht,wie ein Walzwerk.

    Ich habe dieses Wochenende bei einem Glas Wein und aufgestellten Kerzen mich mit dem Wiener Kongress befasst. Dem „Markttreiben“ der Obrigkeit . Spannend war zu lesen,das der gesamte Kongress während seiner fast 9-(!) Monatigen Dauer nur ein einzigesmal geschlossen zusammentrat,um die Unterschriften auszutauschen. Und bis dahin wurde getauscht,gehandelt,mehrere Konflikte neu entstehen lassen,die manchmal einen neuen Krieg ausgelöst hätten,und Europa war danach neu geordnet.

    So,leider muss ich jetzt los,ich melde mich nochmal…

    mG
    Peter

    • Peter Januar 29, 2013 um 11:28 am #

      …ein kurzes Ding noch:

      Woran kann man bemessen,dass das Volk in der kaiserlichen Zeit ein erträglicheren Lebensstandard hatte anderswo? Welche belegbaren Kennzahlen kann man benutzen?

      Ich tendiere bis jetzt dazu die Börsendaten,wie die Aktienkurse großer Werften auszuwerten,und die Mitgliederzahlen in der Sozialversicherung zu recherchieren. Vielleicht lassen sich daraus Rückschlüsse ziehen.

      …so jetzt aber…

      mG
      Peter

      • niekisch Januar 29, 2013 um 12:12 pm #

        Was das sog. III. Reich angeht, Peter, kann als Indiz die Tatsache dienen, daß deutsche Urlauberschiffe in manchen Ländern, insbesondere in Großbritannien, nicht anlegen durften, weil die einheimische Bevölkerung den inzwischen erreichten Lebensstandard der damaligen Deutschen, insbesondere auch der Arbeiterschaft, nicht sehen sollte. Aber die Kaiserzeit? Sicher gibt es da soziologische Daten. Indiz kann aber auch schon die britische Hetzpropaganda gegen den wirtschaftlichen Aufschwung in Deutschland aufgrund der Industrialisierung seit der Mitte des 19. Jahrhunderts sein. Ich habe ein Buch des britischen Autors Hancock, das sich mit dem Konkurrenzproblem zwischen Britannien und dem Deutschen Reich zu Wilhelms Zeiten beschäftigt. Deutschland hatte sich zumindest aus britischer Sicht zu einem Riesen entwickelt. Wieweit dieser Aufschwung bis zu den ärmeren Schichten durchdrang, kann ich nicht sagen. Ich weiß aus der Literatur, daß manche Arbeiter so mittellos waren, daß sie keine Wohnung hatten und deswegen Schlafplätze anderer Leute im Wechsel gegen Bezahlung nutzen mußten.

  7. Hallo, Zeitgeist Januar 27, 2013 um 5:13 pm #

    “Wir feiern den Geburtstag des letzten deutschen Kaisers Wilhelm II., mit vollem Namen Friedrich Wilhelm Viktor Albert von Preußen “, erinnert “Paukenschlag.org.in einer respektvollen Würdigung. Immerhin 30 Jahre lang, von 1888 bis 1918, war unser volktümlicher Monarch einigendes Identifikationsbild für das Deutsche und die Deutschen. Ist es nicht ein interessantes Zusammentreffen, dass in einer unterhaltenden Fernsehsendung gestern die Moderation zufällig von “Kaiserwetter” am Aufnahmeort sprach – ein geradezu sinnvoller Zufall, einen Tag vor “Kaisers Geburtstag”? Dies mag ein vielsagendes Zeichen sein, dass in der kollektiven Erinnerung wieder eine positive Rückbesinnung auf den letzten deutschen Monarchen erwacht, eine der meist diffamierten Persönlichkeiten der Geschichte. Wie an den Tag der Reichsgründung zu gedenken, wird es schöpferische Kräfte im Kollektivbewusstsein beflügeln, wenn wir von jetzt an künftig auch die emotionale Wertschätzung für Wilhelm II, Kaiser von Deutschland, König von Preußen, durch Besinnung in uns bewahren. So werden Resonanzen geweckt, da im Leben alles mit allem verbunden ist. Indirekt hat auf diese universelle Verbundenheit (nämlich von allem mit allem) auch Wilhelm schon in einer Rede aus dem Jahre 1904 hingewiesen:

    • niekisch Januar 27, 2013 um 6:49 pm #

      Herzlichen Dank, Hallo Zeitgeist, für diesen Beitrag, der den so widerwärtig verunglimpften deutschen Monarchen würdigt.

  8. Hallo, Zeitgeist Januar 26, 2013 um 5:04 pm #

    Ein Stück Antwort auf Ihre Fragen habe ich zunächst nicht gegeben, will es aber gerne noch einmal nachreichen: Die individuelle Komponente, sozusagen die „Verkoppelung“ mit überindividuellen, kollektiven Strömungen unterziehe ich von Zeit zu Zeit durchaus der Reflektion: Seitdem ich kein 68er mehr bin, links ausgestiegen, fühle ich mich auch persönlich (wieder) ganz anders verankert und verwurzelt. Ich bereue meine relativ langen linken „Lehr- und Wanderjahre“ zwar nicht, weil sie nun einmal zu meiner Biografie und meiner Lerngeschichte dazu gehören.

    Gerade die Besinnung auf das Kaiserreich, dem ich schon als Junge durch die Lektüre von Karl-Mai-Büchern nahestand, hat mich indes zu mir, zu meinen familiären Wurzeln, zu der Heimat meiner frühen Schulklasse und mehr von damals zurückfinden lassen – erweitert durch die sozilale Dimension des Denkens, die ich mir als „Sozi“ angeeignet hatte. Diese spiegelt sich aus heutiger Sicht für mich aber auch in der sozialen Orientierung jener historischen Symbolfigur, deren Gedenken ich aus meinem Verständnis von Verantwortung wachzuhalten bestrebt bin, S. k. M., Wilhelm II, der als ein geradezu „sozialistischer Kaiser“ bezeichnet werden könnte – dazu vielleich später irgendwann einmal mehr. Wenn ich dann vergleiche, wie rigide bestimmte NS-Kreise auf andere Meinungen reagieren, dann weiß ich, was ich im Traditionsbezug auf Wilhelm und das Kaiserreich habe.

    Ich durfte im Dialog zwar nationale Sozialisten kennengelernt, deren Intellektualität ich schätze, aber es gibt eben auch ganz andere… Und einen Traditionsbezug braucht Identitäres Denken nun einmal, wie einen Mutterboden. Für mich ist das – nicht zuletzt wegen der Rigidität vieler heutiger NS-Apologeten – eindeutig nicht ein 12jähriger Abschnitt unserer Geschichte. Wie mehrfach erwähnt, heißt es für mich nicht, wenn ich mich auf das Kaiserreich beziehe, das ich unbedingt dessen Rekonstruktion wollte. Auch wenn es sogar Prophezeigungen gibt, die von einer Krönung eines neuen Deutschen Kaisers im Dom zu Köln sprechen. Aber, das Material von Prophezeiungen beinhaltet eine gewisse Plastizität, und wie sich zeigt, gibt es häufig Modifikationen im späteren realen Geschehen. In diesem Sinne also, bevorzuge ich eine Gesellschaft ohne Adelsprivilegien, aber mit einem klaren und sinnvollen Traditionsbezug – einem guten geschichtlichen Mutterboden eben.

  9. Hallo, Zeitgeist Januar 26, 2013 um 4:25 pm #

    „….wird der Erste Weltkrieg heute oft als die Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts bezeichnet“

    Es muss richtig natürlich „Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts“ heißen. Allerdings wirkt sie bis heute, in unser 21. Jahrhundert, fort.

  10. Hallo, Zeitgeist Januar 26, 2013 um 3:53 pm #

    Guten Tag, Peter,

    ich freue mich über Ihre Frage, da sie zum einen Auseinandersetzung mit dem Beitrag ausdrückt, zum anderen die Thematik noch in einen größeren Zusammenhang stellt. Gerade vor dem von Ihnen angesprochenen Evolutionsgedanken (den ich hier mal nicht unbedingt biologisch nehme, sondern eher im historischen und kulturanthropologischen Sinn) hat das Geschehen um das Kaiserreich eine besondere Bedeutung für Deutschland, Europa und darüber hinaus.

    Bismarcks Werk

    Beginnen wir mit der Basis: Für unsere eigene Geschichte ergibt sich der Stellenwert des 1871 im Spiegelsaal von Versailles ausgerufenen Reiches unter anderem daraus, dass es jene Ära war, in welcher der deutsche Nationalstaat im klassischen Sinne begründet wurde. Das Heilige römische Reich war als eine Vorgänger-Formation eher so etwas wie die heutige EU unter deutscher (bzw. österreichisch-habsburger) Führung. Die Interimszeit des deutschen Bundes, der nach dem Wiener Kongress gegründet worden war und von 1814 bis 1866 als lockerer Verbund deutscher Herrschaftshäuser existierte, musste nicht zuletzt aufgrund der Rivalität zwischen Preußen und Österreich scheitern. Hinzukommt, dass auch nichtdeutsche Garantiemächte Interventionsansprüche hatten. Außerdem vermochte der damalige deutsche Länderbund den 1848er Prozess nicht sinnvoll zu integrieren. Ob anstelle der folgenden von Bismarck betriebenen kleindeutschen Lösung mit dem preußischen Primat nicht ein größer organisiertes Wahlkaisertum auf konstitutioneller Basis vorteilhaft, wenn nicht gar, besser gewesen wäre, bleibt eine müßige und rein spekulative Frage.

    Einer solchen Möglichkeit standen mehrere Faktoren entgegen, unter anderem, dass Österreich, verbunden mit Ungarn, zu sehr eine Dynamik auf dem Balkan entwickelt hatte, die sich natürlich noch mit aus der Zeit der Türkenkriege und als Gegengewicht zu geo-strategischen Interessen Russlands erklärte. Es war die europäische Konfiguration jener Zeit, die wahrscheinlich mit einer innewohnenden Logik die Bismarck`sche Hausordnung für den Deutschen Nationalstaat als solchen mit sich brachte. Etwa im Wesen der deutchen Sozialversicherung, dem föderativen Staatsgedanken oder Berlin als Regierungssitz auch des WK-II-Siegermächte-Kostruktes BRD wirken Muster aus dem Einigunswerk unter der Regie von Bismarck bis heute unterschwellig fort. Einmal ganz abgesehen davon, dass rechtlich das Deutsche Reich – wenn auch nicht mehr durch Thron und Krone repräsentiert – nie zu existieren aufgehört hat (so ja auch in früheren Jahren vom Bundesverfassungsgericht mindestens indirekt bestätigt).

    Europäische Urkatastrophe: ein Zivilisatorischer Bruch

    Vor allem aus ökonomischen, weltanschaulichen und geo-strategischen Motiven wurde dem über Generationen von Deutschen sehnsuchtsvoll erwarteten Nationalstaat in seiner Ausprägung als teilkonstitutionelle Monarchie ein abruptes Ende von außen bereitet. Ich habe oben anzudeuten versucht, dass der Konflikt, der im August 2014 begann, von langer Hand vorher durch interessierte Kreise eingefädelt worden war. Dabei hatte – folgt man aufdeckender Literatur – unter anderem der britische „Round Table“, dem Churchill und der ideologisch, ebenso wie wirtschaftlich einflussreiche Cecil Rhodes angehörten, einerseits und der Französische Großorient andererseits offenbar ihre Hände mit im Spiel. Die Attentäter von Sarajewo bekannten in späteren Gerichtsverhandlung ganz offen, dass sie serbische Freimaurer gewesen sind. Der lange Arm der vorerwähnten Einflusskreise dürfte sie gesteuer haben, wenn man sich die Cui-Bono-Frage stellt, wem also die Morde an dem K.-u.-K-Thronfolger-Paar nützten. Es gibt auch Berichte über recht seltsame vorherige Ankündigungen damaliger Zeit, die aus dem Umfeld der erwähnten Ecke kamen, ihr jedenfalls unter anderem in maurerkritischen Aufarbeitungen zugeordnet werden.

    Evolution im Wirtschaften und im Bewusstsein

    Mit dem Konflikt vor beinahte nun schon 100 Jahren hat aber nicht nur Deutschland Schaden genommen. Nicht umsonst wird der Erste Weltkrieg heute oft als die Urkatastrophe des 21. Jahrhunderts bezeichnet. Das Kaiserreich nahm insbesondere unter v. Caprivi eine Richtung ein, die einer auch seinerzeit schon bestehenden Finanzwirtschaft ein vergleichsweise restriktives Regelwerk auferlegte und dabei insbesondere Spekulationen eingrenzte. Insofern war die Wirtschaftsordnung und ökonomische Philosophie des Kaiserreichs eine frühe Korrektur-Tendenz zu der schuldenwirtschaftlichen Bewusstseinsform, deren Auswirkungen wir heute weltweit so stark und ungehemmt zu spüren bekommen.

    Der angelsächsiche Anthropologe David Graeber, spricht von einem 5000 Jahre alten Wirtschaftsprinzip, das in einer bestimmten sumerischen Entwicklungsphase begonnen habe. Man kann davon ausgehen, dass die Hebräer das schuldenwirtschaftliche Zinsdenken während ihrer sogenannten „Babylonischen Gefangenschaft“ im mesopotamischen Raum adaptierten und später – als jüdisch-kulturelle Tendenz – in den europäischen Raum hinein transportierten. Es dürfte ferner einer ökonomisch-psychologischen Konfiguration entsprechen, bei denen später etwa Zionisten und Freimaurer sozusagen die gesellschaftliche Agenturen bildeten. Im Hintergrund stand und steht jedoch eine bestimmte menschliche Entwicklungsstufe, deren Reifegrad ihre Spiegelung vor allem im heutigen Zinseszins und Shareholder-Value-Denken findet – ein archetypisches Hintergrundmotiv des globalen Kollektivbewusstseins also.

    Ich wage die These, dass, hätte das Kaiserreich fortbestanden, der Übergang in eine neue Zeit und ein neues globales wirtschaftliches Denken sich um einige Ecken milder vollzogen hätte. Wir stehen nun vor einer Katharsis, deren Konsequenzen bis hin zu Bürgerkriegen in verschiedenen Regionen der Erde, auch in Europa, nicht abzusehen sind. Wie mehrfach erwähnt, meine ich aber, dass das Kaiserreich in der kollektiven Erinnerung gleichsam virtuell in Mustern und fragmentarischen Anteilen virtuell fort existiert – wenn man so will, der „Evolutionszweig“, nach dem Sie fragten, Peter.

    Große Verletzung unserer Kultur

    Mit dem politischen Verschwinden des Kaiserreichs ist für Europa und darüber hinaus eine Wunde entstanden, die noch zu heilen ist. Selbst die Internet-Ausgabe der Welt, die nicht eben als ein besonders patriotisches Medizm zu bezeichnen ist, hat ja ein bezeichnendes Zitat am Ende des zweiten von den beiden Artikeln gebracht, die ich in meinem Kommentar zum eigenen Gastbeitrag am 21. Jan., um 3. 08 nachmittags, eingestellt hatte. An der Stelle heißt es: „Insofern darf man dem anonymen Nachruf aus der ‚Frankfurter Zeitung’ wohl zustimmen, der da resümierte, mit Wilhelms Thronverzicht 1918 ‚zerbrach etwas in Deutschland, das nicht wieder zu bauen ist’. Bis heute nicht.“ Wie ich meine, geht es beim „Zerbrechen“ von dem, was hier angesprochen wird, um etwas, das unser nationales Kollektivbewusstsein in seinem Innersten getroffen hatte und insofern weit über Thron(-verzicht) und Kaiserreich hinausgeht. Es macht insofern auch Sinn, dass nicht unwichtige Teile der damaligen Sozialdemokratie verärgert darüber waren, dass Scheidemann vom Balkon des Reichstags eigenmächtig die Republik ausgerufen hatte.

    Schließlich: Was zu tun ist

    Wir sollten nun jetzt und künftig sehen, so meine ich, die „deutsche Wunde“, die hier entstanden war, zu heilen, und als wichtigen Weg dahin verstehe ich eine Traditionspflege im Gedenken an das Deutsche Kaiserreich. Es wird – eingedenk preußischer Ordnungsvorstellungen zu Wirtschaft und wirtschaftlichem Bewusstsein – mit wegweisend für eine neue Zeit sein, die Europa und viele Länder dieser Erde gemeinsam hervorzubringen haben – jenseits von Zinseszins und Shareholder-Value.

  11. Peter Januar 26, 2013 um 12:25 am #

    Guten Tag Zeitgeist,

    wenn Sie so auf Ihr eigenes Leben,in Blut und Geist,schauen,wie groß ist die Zeitachse in der Sie sich in der Evolution sehen ?

    Verzeihen Sie mir bitte,die vielleicht anstößige Frage,aber ich lese Ihre Beiträge in einer Zeit,in der ich mich wieder auf mich besinne. Und stelle mir gerade diese Frage.

    Und ich frage mich welche Verantwortung jeder Mensch wirklich hat. Muss ich vielleicht etwas retten? Etwas was den Homo Sapiens retten soll? Was wir nicht begreifen,und schlicht gesellschaftliches Leben nennen?
    Sind wir der Zweig, der auf den liebevoll zerissenen Tafeln im Biologieunterricht abgebildet war,wo oben im schwarzen Balken fett Die Evolution stand,und man verschiedene Schädel gesehen hatte,alle aus anderen Zeiten? Was glauben Sie wie groß wäre der Schädel aus der Kaiserzeit ? Und wie groß sind wir heute dadrauf ? Und wie würde man den Unterschied in anderen Zeiten der Evolution erklären?
    Wie lang wären etwa Striche von Erblinien in diesem Zweig? Und hört dieser Zweig irgendwann auf zu wachsen?

    Können Sie mir sagen,was der Sinn von dem Wachsen der Zweige ist?

    Und ich lese Ihre Beiträge und frage Sie das nun.

  12. templarii Januar 25, 2013 um 11:03 am #

    @Zeitgeist
    Meine Kritik am Wilhelminischen Reich fusst nicht auf der „Kritik“ durch Wikipedia oder den anderen dumpfen Extremisten. Ich würde mich sehr sehr freuen wenn endlich mal Steam-Punk Fantasyfilme gedreht werden würden, die im Wilhelminischen Reich spielen. Berlin war eine Boomende Metropole, die Wissenschaftliche und Wirtschaftliche Leistung war gigantisch und grossartig. Man sagte nicht umsonst dass „die Deutschen alle Amerikaner waren“ – also nicht US-Amerikaner aber von eben diesen bekannten und verehrten Pioniergeist und von Tatkraft beseelt.

    Meine Kritik fusst darin, dass das Wilhelminische Reich ein Bruch mit der Tausendjährigen Kultur und Kontinuität war (Weder Napoleon noch die Wilhelms waren Kaiser sie nannten sich nur so.), dass die Religion dummerweise an die weltlichen Herrscher gebunden wurde – dass wiederrum zu einer fatalen Kettenreaktion führte die man letztlich bei den Wahlen der NSDAP bemerken konnte und an der devoten Haltung der evangelischen Kirchen zum Zeitgeist heute sieht. Preussen hat sich abgeschafft als sie das Preussentum einseitig auf König und „Kaiser“. Das zweite Reich trennte sich im Aufklärerischen Wahn von Wissen und Weisheit die viel tiefer reicht als eine „sola-scriptura“ Lüge. Die Rechnung bekommen wir jetzt präsentiert, unter anderem mit der absoluten Unwissenheit der Mehrheit unserer europäischen Bewohner warum denn ein Heidnischer Gott schlecht oder schlechter ist als der Christlicher Gott und was der Unterschied ist.

    (Und kurz zur NSDAP, bitte misshört meine Aussage nicht als dümmlich-dämlichen Vorwurf „böse böse böse Nazis“. Dies ist nicht meine Absicht und ich verbitte mir die Unterstellung lächerliche Moralkeulen verwenden zu müssen um meine Argumentation zu „untermauern“. Das sage ich als Ausländer und Nachfahre von Zwangsarbeitern!)

    @niekisch
    Ich wollte frech sein, schön dass Sie es nicht so ernst nehmen. Dass die Zeitrechnung vor 0 auftritt (wobei es nicht relevant ist ob es 0, -7 oder +3 ist) weiss ich. Es gibt auch das alte Testament.

    Die „Oberflächliche Christentumheit“ – ist nicht mein Ding, es geht um weitaus mehr als nur einen Kult-Fetisch den man auch durch ein „Preussentum“ ersetzen kann. Aber dass kann man so nicht vermitteln.

    Und was die Adelsherrschaft angeht.. Die wurde im Guelfentum stärker und besser umgesetzt als im Ghibellinentum. letzeres ist oberflächlich und orientiert am Aberglauben wie „Macht“, „Status“, „Rang“ und ähnlichem Zeugs. Man wird damit nur sehr einfach besiegbar, weil man diese Äusserlichkeiten als Zeichen für sein Selbst nutzt. Kein Wunder, dass es nicht funktioniert hat. Mohammedaner besiegt man genauso, man muss sie nur demütigen und sie so halten, dass sie sich nicht wehren können – dann ist der Bann gebrochen.

    Templarii

    • niekisch Januar 25, 2013 um 4:49 pm #

      „was die Adelsherrschaft angeht.. Die wurde im Guelfentum stärker und besser umgesetzt als im Ghibellinentum. letzeres ist oberflächlich und orientiert am Aberglauben wie “Macht”, “Status”, “Rang” und ähnlichem Zeugs. Man wird damit nur sehr einfach besiegbar, weil man diese Äusserlichkeiten als Zeichen für sein Selbst nutzt. Kein Wunder, dass es nicht funktioniert hat.“

      @templarii: Was soll angesichts dieser nicht näher belegten Allgemeinplätze zu replizieren sein? „Stupor mundi“ staunte selber, läse er das hier. War gerade er es doch, der sich angesichts seiner Insignien ein so erstaunliches außerformelles Wissen zulegte, daß sein Ruf die gesamte damalige Welt durcheilte. Gerade er orientierte sich doch nicht an Aberglauben, sondern an nachprüfbarem Wissen, schrieb Jagdvogelanleitungen, die noch heute Gültigkeit besitzen. Besiegbar war er nicht aufgrund seiner Oberflächlichkeit, sondern aufgrund der Listigkeit und Boshaftigkeit seines Hauptgegners im päpstlichen Palast..

      „Mohammedaner besiegt man genauso, man muss sie nur demütigen und sie so halten, dass sie sich nicht wehren können – dann ist der Bann gebrochen.“

      Viel Glück, templarii, bei solchem, Jesu Lieben widersprechendem Kampfgebahren, das angesichts von 1400 Millionen Mohammedanern nicht den Sieg, sondern die Niederlage von Anfang in sich trägt.

      W i r kämpfen s o ( Foto „Jetzt sind wir am Zug ):

      <a href="„>

  13. Hallo, Zeitgeist Januar 24, 2013 um 6:53 pm #

    Genau, Moritz, so ist es…!

  14. Moritz Haberland Januar 24, 2013 um 6:49 pm #

    Denken wir an jedes einzelne Beispiel oder nehmen wir die Stein-Hardenbergschen Reformen als Sinnbild für Sozialreformen im fortschrittlichen Preußen. In Rußland herrschte tiefste Leibeigenschaft, im Rest Europas der widerwärtige Dünkel der Kolonialherrlichkeit, da hatten wir (Preußen) schon freie Bauern.

  15. Hallo, Zeitgeist Januar 24, 2013 um 6:29 pm #

    @ templarii

    „Ich weiss nicht was an dem Wilhelminischen Reich so positiv gewesen sein soll, dass es wiederbelebt werden sollte. Es war eine gespaltene Nation, dominiert vom Preussentum und viel in die Zeit der verstärkten Industriellen Revolution.“

    Antwort darauf:

    Wenn du den Diskussionsstrang in vorhergehenden Ausführungen nachvollziehen magst, wirst du überrascht feststellen, dass es mir nicht notwendig um eine Wiederherstellung des Kaiserreichs geht, sondern um eine Wiederbelebung des Reichsgedankens mit starkem traditionellem Bezug auf das letzte Kaiserreich. Du brauchst auch nur mal bei Wikipedia – das Online-Nachschlagwerk, das bekanntlich vergleichsweise stark der Political Correctness verhaftet ist – nachschauen, um einen Eindruck davon zu bekommen, dass es sich beim Kaiserreich nicht um eine „gespaltene Gesellschaft“ gehandelt hat.

    Mache dir doch bitte auch einmal die Mühe meinen Eingangsbeitrag aufmerksam zu lesen. Darin stelle ich dar, dass international angesehene Historiker den sogenannten Junker- Militär- und Obrigkeitsstaat als eine polemische Konstruktion betrachten. Verschiedene Quellen weisen darauf hin, dass es im Kaiserreich sogar zu einer erheblichen Anhebung des Lebensstandards für die Arbeiterschicht gekommen war. Lies doch einfach mal, was oben steht – dies als ganz herzliche Bitte, damit wir wirklich eine gemeinsame Gesprächsgrundlage haben!

  16. Hallo, Zeitgeist Januar 24, 2013 um 6:13 pm #

    @ templarii

    „Hmm, dieses Reich funktionierte genau von 1871 bis 1914. Nicht sehr erfolgreich.“

    Antwort dazu:

    Mir sagte ein Bekannter aus einer alten Adelsfamilie, einer seiner Vorfahren sei im Ausland mal von einer Person angesprochen worden, die wohl Hochgradfreimaurer gewesen ist, und man habe zu verstehen gegeben: „Ist ja schön und gut, ihr habt jetzt das Kaiserreich.“ Es sei aber beschlossenene Sache, dass dieses Reich nicht mehr lange existieren wird.

    Autor F. William Engdahl weist im übrigen in seinem Buch „Mit der Ölwaffe zur Weltmacht“ (Kopp-Verlag, 2008) darauf hin, dass grundsätzlich unterschiedliche Auffassungen zur Wirtschaftsordnung bestanden hätten. So wird etwa Lord Lothian mit einer Äußerung von 1911 zitiert, ‚“Zur Zeit stehen sich in der Welt zwei gegensätzliche Moralauffassungen gegenüber, die britische oder angelsächsische und die kontinentale oder deutsche. Beide gemeinsam könnten nicht überdauern.“ In diesem Sinne hatten dann einflussreiche Kräfte, zu denen unter anderem der junge Churchil gehörte, eine Einkreisungspolitik gegenüber Deutschland initiiert, die in der bereits vor dem Ersten Weltkrieg bestehenden Tripel-Allianz aus Großbritannien, Frankreich und Russland bestand.

    Die großen Kapitalien, die sich unter anderem mit Namen wie dem Bankhaus J. P. Morgan, aber auch der Familie Rothschild verbinden, standen auf Seiten der Briten. Das Kaiserreich hätte gegenüber diesen großen Herausforderungen nach Auffassung mancher Militärhistoriker sogar den Krieg gewonnen, wenn nicht auch die USA trickreich darin hinein gelotst worden wären. Wie kann ein Staatswesen vor solchen Hintergründen dann noch weiter existieren?

    Erfolgreich war das Kaiserreich aber allemal, was wirtschaftliche Prosperität und sozialen Frieden betraf, genauso wie eine starke kulturelle Entwicklung. Eben weil es so ausgesprochen erfolgreich war, wurde sozusagen seine Vernichtung beschlossen. Und es läuft nach dem selben Schema wie heute in den aktuell angezettelten neo-kolonialistischen Auseinandersetzungen der sogenannten westlichen Wertegemeinschaft: Es werden Gründe konstruiert, um einen Krieg für eine angeblich gerechte Sache führen zu können.

  17. templarii Januar 24, 2013 um 6:02 pm #

    @niekisch

    Also am Anfang einer Zeitleiste steht eine 0 (null) und die bewegt sich nach vorne in der Hinsicht dass höhere Zahlen auf dieser Zeitleiste dargelegt werden. Dies versinnbildlicht dass ein zeitraum vergangen ist. Zum Beispiel ist jemand 1960 geboren und im Jahr 2000 sind 40 Jahre vergangen. 1960 ist „hinten“ und 2000 ist „weiter vorne“.

    Ich weiss nicht was an dem Wilhelminischen Reich so positiv gewesen sein soll, dass es wiederbelebt werden sollte. Es war eine gespaltene Nation, dominiert vom Preussentum und viel in die Zeit der verstärkten Industriellen Revolution. Die gute Bildung war eine schöne Sache und der Fleiss und die Ordendlichkeit ebenso. Leider ist diese Zeit vorbei, und zwar aufgrund der weiterführung der Industriellen Revolution – bis zur Heute. Aufgrund der Technologien wie Flugzeug, Auto, Handy, Fernsehen, Zug und Schiff ist die gesamte Situation anders, die Migrationsbewegungen und MASSEN von Menschen ergeben eine völlig andere Struktur die eine völlig andere Gesellschaftliche Konstruktion braucht. Monolithische Gesellschaftsstrukturen wie Nationalstaaten sind schon wegen Satellitenfernsehen nicht möglich, und die Rückeroberung von Universitäten und Schulsystem ist nicht mehr möglich. Man könnte sagen: „Du und welche Armee“ – und wie will die Armee 200.000.000 Menschen aufhalten.

    Weiter zurück würde heissen: In das Zeitalter des Heiligen Römischen Reiches und des Byzantinischen Reiches. Nicht aufgrund der Physischen Struktur, sondern aufgrund der Spirituellen Struktur. Diese alten „Gesellschaftsstrukturen“ haben weitaus heftigeres ausgehalten als dass was Preussen bereits zerschlagen hatte – Pest, 30 Jahre Krieg, Hunnen, Türken (naja nicht alle, aber immerhin 1000 Jahre), Wikinger, Russen / Mongolenstürme und und und.

    Das Deutsche Wesen ist mehr als Bismark, Wilhelm, Goethe und Schiller. Preussen gibt es nicht mehr, die Deutschen hassen sich selbst, Kultur und Religion sind vergessen und Preussen hat ob bewusst oder unbewusst dafür mit gesorgt. :-/

    Templarii

    • niekisch Januar 24, 2013 um 8:25 pm #

      „Also am Anfang einer Zeitleiste steht eine 0 (null) und die bewegt sich nach vorne in der Hinsicht dass höhere Zahlen auf dieser Zeitleiste dargelegt werden. Dies versinnbildlicht dass ein Zeitraum vergangen ist. Zum Beispiel ist jemand 1960 geboren und im Jahr 2000 sind 40 Jahre vergangen. 1960 ist “hinten” und 2000 ist “weiter vorne”.“

      Als ob ich das nicht wüßte, templarii:-) Auch v o r dem Jahre 0 gab es schon lange Geschichte. Aber das weißt Du ja selber auch, selbst wenn für Dich persönlich möglicherweise die Geschichte insgesamt mit der Geburt Jesu beginnt, was aber auch willkürlich ist, weil – wenn er jemals lebte – seine Geburt wahrscheinlich schon vor Beginn der Zeitrechnung lag.

      „Ich weiss nicht was an dem Wilhelminischen Reich so positiv gewesen sein soll, dass es wiederbelebt werden sollte.“

      Darauf hat Hallo Zeitgeist bereits erschöpfend geantwortet. Auch ich will es nicht wiederbeleben.

      Auf den Rest des 2. Absatzes kann ich nicht antworten, er ist mir zu „verworren.“

      „Weiter zurück würde heissen: In das Zeitalter des Heiligen Römischen Reiches und des Byzantinischen Reiches. Nicht aufgrund der Physischen Struktur, sondern aufgrund der Spirituellen Struktur.“

      Einverstanden, soweit das Ghibellinentum gemeint ist.

      „Das Deutsche Wesen ist mehr als Bismark, Wilhelm, Goethe und Schiller. Preussen gibt es nicht mehr, die Deutschen hassen sich selbst, Kultur und Religion sind vergessen und Preussen hat ob bewusst oder unbewusst dafür mit gesorgt. :-)“

      Bei der Allgemeinheit dieser Aussagen ist eine dezidierte Antwort nicht möglich, weder positiv noch negativ.

  18. Moritz Haberland Januar 24, 2013 um 5:44 pm #

    Hallo „Hallo, Zeitgeist“, zu allem anderen kann ich gern ja sagen, zu Deinem letzten Abschnitt hätte ich ein paar Anmerkungen :

    Die Fixierung auf den NS ist mir so verständlich wie nur irgendwas und das auf „beiden“ Seiten. Ich weiß nicht, wie alt Du bist, ob Deine Familie Tote zu beklagen hatte, ob sie zu Hause bleiben konnte oder mit wenig Sack und Pack und ohne Aussicht auf Rückkehr davongejagt wurde. Bei Kriegsende war mein Vater 22,5 und meine Mutter etwas über 15 Jahre alt. Sie hatten ihr ganzes Leben vor sich, für sie war es noch kein „abgeschlossenes Sammelgebiet“. In diesem Alter hat man noch keine tiefverwurzelten Überzeugungen, sondern nur die ganze „Erlebniskacke“ rings um sich her. Das überträgt sich zwingend auf die Nachkommen.

    Aus Tierversuchen ist bekannt, daß Nachkommen ebenfalls Angst vor Erlebnissen ihrer Eltern haben, die weit vor ihrer eigenen Zeugung lagen.

    Das gilt für „links“ und „rechts“, insofern ist bislang gar nichts schief und alles (für mein Dafürhalten) verständlich abgelaufen.

    Zitat : “ Diese Phase ist im kollektiven Bewusstsein einfach überproportional präsent.“

    Das ist sie eben genau nicht, diese Phase nimmt proportional zum Verschwinden der Erlebnisgeneration und ihrer F1-Generation (ich) ab. Für meine Mädels ist das Geschichte, wenngleich meine Mutter auch noch lebt, für meine Enkel wird die Vorzeit schon etwas „grauer“ sein.

    So wird sich die „Angelegenheit“ wohl auflösen und Platz
    für ein neues, politisches Selbstverständnis sein, denke ich.

    • niekisch Januar 24, 2013 um 8:10 pm #

      „Aus Tierversuchen ist bekannt, daß Nachkommen ebenfalls Angst vor Erlebnissen ihrer Eltern haben, die weit vor ihrer eigenen Zeugung lagen.“

      In Psychologie und Psychiatrie kennen wir das „Weiterleben“ kollektiver Traumata über einige Generationen hinweg.

      Wie schon mehrfach zuvor verweise ich insoweit auf das interessante Büchlein von Immanuel Velikovsky, Das kollektive Vergessen, verdrängte Katastrophen der Menschheit, Ullstein Sachbuch, 980/ 34393, 1987, ISBN 3-548-34393-7

  19. templarii Januar 23, 2013 um 9:51 pm #

    Hmm, dieses Reich funktionierte genau von 1871 bis 1914. Nicht sehr erfolgreich. Ich würde noch weiter nach hinten schauen.

    • niekisch Januar 24, 2013 um 11:25 am #

      „Hmm, dieses Reich funktionierte genau von 1871 bis 1914. Nicht sehr erfolgreich. Ich würde noch weiter nach hinten schauen.“

      Warum bitte, Templarii, wieso und wie weit nach hinten, falls es in der Geschichte überhaupt ein Vorn oder Hinten gibt?

  20. Hallo, Zeitgeist Januar 22, 2013 um 2:46 pm #

    @ Moritz Haberland

    „…wenn es gut geht, sind wir die steten Tropfen, die auf bekannte Weise mit dem Stein ‚kämpfen’…”

    Damit, Moritz, sprichst du ein altes taioistisches Prinzip an, in dessen Überlieferung es etwa heißt, „das Schwache“ vermöge „das Harte“ zu bezwingen, und genau das Sinnbild vom Wasser, das Gestein auszuhöhlen in der Lage ist, wird in diesem Zusammenhang gebraucht. Dieser Gedanke leitet zu einem anderen asiatischen Weisheitsprinzip über, das mit „Wu-Wei“ bezeichnet wird. Verkürzt gesagt, beinhaltet es die Vorstellung, dass der Mensch generell und ein Stratege im Besonderen möglichst immer mit möglichst wenig Reibungswiderstand arbeiten solle. Man bedenke dabei, dass asiatische Kulturen doch recht erfolgreich sind, die chinesische sogar seit Jahrtausenden. Übrigens kommt aus dem Reich der Mitte auch eine Lehre sogenannter Strategeme, formal-logischer Verhaltensmuster also, wie etwa in kriegerischen Konflikten geradezu in Schachmeister-Manier vorzugehen sei.

    Doch zurück zum Prinzip des geringstmöglichen Reibungswiderstands: In seinem Sinne sollten wir ein wenig „wie von selbst“ die Zeit für die Befreiung des deutschen Kollektivbewusstseins arbeiten lassen. Globale Entwicklungen führen zu einer Neuordnung internationaler Machtverhältnisse und auch zu einer fortschreitenden Veränderung in den Gesellschaften. Im Zuge dessen wird es im Laufe der Zeit auch zu geschichtlichen Neubewertungen in vielerlei Hinsicht kommen, u. U. auch zu manchen neuen Einsichten hinsichtlich eines 12jährigen historischen Abschnitts in Deutschland. Solange aber noch die Fixierung von außen auf diese Phase besteht und man nicht frei verschiedene Prozesse gedanklichen Reflektierens äußern kann, entspricht es eher dem genannten Wu-Wei-Prinzip, sich auf die Zeiten unserer Nation zu konzentrieren, die unproblematisch sind. Damit meine ich halt Kaiserreich, 1848er Prozess, Preußen und zum Teil auch einige Habsburger, bezogen auf diese Heiliges Römisches Reich Deutscher Nation.

    Und noch einmaL Wir sollten uns aus der mentalen Fixierung auf die NS-Zeit lösen. Seltsamerweise haben es linke aller Schattierungen bis hin zur Antifa und viele Rechte gemeinsam, sich immer wieder mit diesem Geschichtsabschnitt zu beschäftigen. Manche im rechten Lager, aus Rechtfertigungsdrang, andere aus Apologetentum, wie Niekisch es vielleicht nennen würde. Diese Phase ist im kollektiven Bewusstsein einfach überproportional präsent. Daher könnte es geradezu Teil identitärer Arbeit sein, den
    öffentlichen Fokus umzulenken.

  21. Moritz Haberland Januar 21, 2013 um 7:55 pm #

    Hallo Männer…nöh, wir sollten schon das Problem problematisieren, nur uns selbst eben nicht. Ganz sicher verändern wir nicht die Welt, wenn es gut geht, sind wir die steten Tropfen, die auf bekannte Weise mit dem Stein „kämpfen“. Das haben sie alle so gemacht, die wir heute verehren. (Platon, Kant, Schopenhauer…)

    Außerdem ist für mich die Literatur wichtig:

    Gestorben: Einer des kulturellen Dreigestirns in Weimar:
    Er war neben Anna Amalia ein Förderer Goethes.

    Christoph Martin Wieland, Deutscher Dichter,
    Übersetzer und Herausgeber in der Zeit der Aufklärung.
    * 5. September 1733 in Oberholzheim bei Laupheim
    † 20. Januar 1813 in Weimar
    Zitat:
    “Ein Wahn, der mich beglückt,
    ist eine Wahrheit wert,
    die mich zu Boden drückt.”

    PS. Ich bin der moderne Schach von Wuthenow (Fontane) mit 1-Zimmer-ETW in Berlin und Nebenerwerbs-LW-Betrieb, großer Familie, etwas Land und Tierbestand im Umland, ich kann Bauer und Ästhet. So wollte ich immer leben 🙂 .

  22. Hallo, Zeitgeist Januar 21, 2013 um 3:08 pm #

    Hier noch der Link zu der im Gastbeitrag erwähnten Rezension, in der Sven Oliver Müllers und Cornelius Torps Sammelband „Das Kaiserreich in der Kontroverse“ behandelt wird:

    http://www.welt.de/kultur/article3955588/Das-Kaiserreich-war-moderner-als-gedacht.html

    Auch sehr interessant ist noch ein weiterer Artikel aus Welt.de

    http://www.welt.de/kultur/article711476/Wilhelm-II-war-der-erste-moderne-Deutsche.html

    Wenn man bedenkt, welche Rolle die Springer-Medien gesellschaftlich spielen (Die Welt hob sich zwar zeitweise ab, macht in letzter Zeit aber kaum eine Ausnahme), sind die beiden Rezensionen doch Lichtblicke. Die Darstellung ist sicher nicht ganz frei von Sentenzen der Political Correctness, bringt aber doch interessante Sachargumente, die das Kaiserreich in ein ganz anderes Licht als gewohnt rücken.

    Ich halte im übrigen die Beschäftigung mit dem Kaiserreich, ebenso wie mit Friedrich dem Großen und mit der 1848er Revolutionsdynamik für so wichtig, weil mit einem klaren Traditionsbezug darauf wir elegant das umgehen, was uns Political Correctness als Gesellschaftsdoktrin so gerne vorschreiben will: die permanente Auseinandersetzung mit einem Abschnitt der Geschichte, der mal gerade 12 Jahre dauerte. Wir als Teile der neuen identitären Bewegung sollten uns die Felder der Auseinandersetzung – auch jene der geschichtlichen Debatte – selbst suchen und nicht von anderen vorschreiben lassen.
    So leisten wir einen Beitrag dazu, uns von Fragen wie Holocaust und Nazis oder nicht Nazis zu verabschieden.

    Eine alte strategische Regel von Feldherren lautete: Wähle nach Möglichkeit stets den Ort und Zeitpunkt des Gefechts. Nun, das gilt auch für verbale Gefechte und für die Ausrichtung einer pro-patriotischen Debattenkultur. Besinnen wir uns also auf das, was weitestgehend unproblematisch ist – Preußen, Paulskirche und Kaiserreich. In diesem Sinne…!

    • niekisch Januar 21, 2013 um 3:29 pm #

      „Besinnen wir uns also auf das, was weitestgehend unproblematisch ist – Preußen, Paulskirche und Kaiserreich. In diesem Sinne…!“

      Das sollte auch ich mir hinter die Ohren schreiben..

  23. Hallo, Zeitgeist Januar 21, 2013 um 2:14 pm #

    Ich vermute mal, lieber Niekisch, dass unser Moritz das Wort „Nachstellungen“ nicht ernst gemeint hat, mehr so als freundschaftliche Frotzelei. Ich verstehe aber, dass du das dann doch noch mal richtigstellst, weil wir hier ja einen öffentlichen Raum haben und die meisten unsere kleinen Privatissima aus alten Metapolitika-Tagen nicht kennen.

  24. Hallo, Zeitgeist Januar 21, 2013 um 1:00 pm #

    Hallo, Moritz,

    Ich freue mich, dass wir uns wieder begegnen und dass wir unter anderem im Preußischen einen wichtigen gemeinsamen Nenner haben. Den Internetnamen – wie jetzt – behalte ich zumindest auf Metapolitika doch lieber bei, weil ich mich verstärkt mit zeitgeistigen Fragestellungen wie Kollektivbewusstsein und psychologischen sowie gesellschaftlichen Hintergründen des politischen Geschehens beschäftigen werde. Dir nachträglich ein frohes neues Jahr!

  25. Moritz Haberland Januar 20, 2013 um 7:17 pm #

    Ach „Zeitgeist“, meinetwegen solltest Du Dich wieder „Monarchist“ nennen, zumindest für meinen Geschmack, weil Du Dich mehr und mehr an das Preußische annäherst, dem ich immer zugetan war, wenn auch eher auf der bürgerlichen (die Zwei von Neuruppin) Seite.

    Ich mußte mich von meinen Pseuddonymen wegen Niekischs Nachstellungen (Pardon) verabschieden, und habe mich entschlossen, meinen eigenen Namen zu nutzen, weil ich sowieso keinen „Schweinkram“ veranstalte. und nie veranstalten wollte.

    Zitat : „All das muss nicht bedeuten, dass unbedingt eine neue konstitutionelle Monarchie anzustreben sei. Aber ihrer Traditionen zu gedenken, kann uns eine Kraftquelle für die Zukunft sein.“

    Das war ein sehr schönes Schlußwort in dieser Sache 🙂 .

    • niekisch Januar 21, 2013 um 1:02 pm #

      „Ich mußte mich von meinen Pseudonymen wegen Niekischs Nachstellungen (Pardon) verabschieden“

      Nicht Nachstellungen, Moritz, sondern damalige Mehrfachaccounts, die ich nicht hinnehme. Im übrigen ist „Moritz“ viel schöner als „Gaffer“ oder so.

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