Bernd Lucke in Sorge um die AfD…

4 Okt

http://www.welt.de/politik/deutschland/article132910724/Lucke-knoepft-sich-Querulanten-in-der-AfD-vor.html

Und hier der Originaltext von Bernd Luckes wohl berechtigter elektronischer Post v. 2.10.2014:

„Liebe Mitglieder und Förderer der Alternative für Deutschland,
die AfD hat in den letzten Wochen hervorragende Wahlergebnisse erzielt. Die Bürger im Land hoffen auf eine politische Erneuerung durch eine demokratische Partei, die für den Rechtsstaat, für die soziale Marktwirtschaft und für eine werteorientierte Politik steht. Wir haben beste Chancen, ihre Hoffnung zu erfüllen. In der öffentlichen Wahrnehmung stand die AfD noch nie so gut da wie heute. Wir finden immer mehr Akzeptanz, unsere Positionen finden immer mehr Zuspruch und die Altparteien finden das alles sehr beunruhigend. Aber noch hoffen die Altparteien, dass wir uns zerstreiten wie die Piraten. Und in der Tat: Bei allem Erfolg, den wir nach außen hin haben, geben einige Entwicklungen im Inneren der Partei Anlass zur Sorge. Darauf möchte ich im Folgenden eingehen:
Der Erfolg der AfD ist ganz wesentlich unserer unglaublich engagierten Mitgliedschaft zuzuschreiben. Bei wohl keiner anderen demokratischen Partei sind die Mitglieder so motiviert, so opferwillig, so einsatzbereit wie in der AfD. Es ist ihr (Ihr) Verdienst, dass die AfD die vielversprechendste und am schnellsten erfolgreiche Parteigründung der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland ist.
Aber keine Rose ist ohne Dorn: Einige Mitglieder verlieren bei dem, was sie subjektiv als wohlgemeinten Einsatz für die Partei sehen mögen, das rechte Maß. Sie verabsolutieren ihre eigenen Anliegen und sehen in denen, die ihre Vorstellungen nicht oder nicht vollständig teilen, nicht mehr den Parteifreund, der ebenfalls das Beste für die AfD will, sondern einen Gegner, den es zu bekämpfen gilt. Und dieser „Kampf“ beschränkt sich leider oft nicht auf die inhaltliche Auseinandersetzung. Er erstreckt sich vielmehr häufig auf alles, was dem vermeintlichen Gegner das Leben verleiden kann.
So gibt es Mitglieder, die offenbar nichts lieber tun, als unter dem Vorwand vermeintlicher Formfehler einen Parteitag oder eine Vorstandswahl anzufechten, deren Ergebnis ihnen nicht passt. Die stets unzufrieden sind, weil sie alles einseitig ins denkbar Negativste wenden, ohne andere Sichtweisen auch nur in Betracht zu ziehen. Die jedes skandalisierende Gerücht und jeden Zeitungsbericht bereitwillig glauben und an möglichst Viele weiterverbreiten (aber oft gerade nicht an die Betroffenen). Die bewusst Falschinformationen verbreiten und damit neue, destruktive Gerüchte schüren. Die Geheimtreffen oder geschlossene Facebookgruppen organisieren, um möglichst ungestört gegen gewählte Vorstände und missliebige Mitglieder intrigieren zu können.
Liebe Freunde,
offene, sachliche Kritik ist etwas Natürliches und Notwendiges in einer Partei, die für Meinungspluralismus und innerparteiliche Demokratie eintritt. Aber die oben beschriebenen Aktivitäten haben mit offener, sachlicher Kritik oft herzlich wenig zu tun. Sie sind einfach nur überzogene Reaktionen von Mitgliedern, die sich verrannt haben. Und sie schaden der Partei, weil sie damit ein Klima des Misstrauens schaffen, das wie ein schleichendes Gift in die Partei sickert.
Kein Vorstand kann vernünftig arbeiten, wenn ein grundsätzliches Misstrauen gegen ihn geschürt wird. Kein Vorstand kann seine politischen Aufgaben erfüllen, wenn er sich ständiger Angriffe erwehren muss. Kein Vorstand will politisch arbeiten, wenn Querulanten und Rechthaber den größten Teil seiner Arbeitszeit absorbieren und die Arbeit für den Erfolg der AfD zu kurz kommt.
Meine Damen und Herren, es muss sich etwas ändern am Umgang, den Teile der Partei mit unserem Führungspersonal auf allen Ebenen pflegen. Die gewählten Amtsträger brauchen das Vertrauen der Mitglieder und deren aktives Eintreten gegen unfaire Angriffe. Unsere Vorstände und viele andere engagierte Mitglieder arbeiten ehrenamtlich für uns alle und sie tun das mit großem Einsatz und in der besten Absicht. Auch Kritiker sollten das anerkennen und respektieren. Sie sollten sich auf die sachliche Kritik beschränken und nicht juristische Finten und Finessen bemühen. Sie sollten ihre Kritik offen auf Versammlungen üben, sodass die Kritisierten sich wehren und Halbwahrheiten oder Falschinformationen richtigstellen können.
Liebe Mitglieder und Förderer der Alternative für Deutschland,
die parteiinternen Probleme, die ich hier beklage, erfordern eine gemeinsame Anstrengung. Wenn Sie die Dinge ähnlich sehen wie ich, dann helfen Sie bitte mit, sie zu ändern. Gebieten Sie den Mitgliedern Einhalt, die nur Misstrauen säen und Streit befördern. Sprechen Sie sie an und machen Sie ihnen deutlich, dass ihre Aktivitäten parteischädigend und unerwünscht sind. Zollen Sie denen Respekt, die in angemessener Form sachliche Kritik üben, aber isolieren Sie die Mitglieder, die Engagement mit Eiferei verwechseln. Fundamentalismus war ein Problem, das den Grünen lange schwer zu schaffen gemacht hat. Wir dürfen diesen Fehler nicht wiederholen. Wir brauchen keinen Fundamentalismus, denn wir haben ein Fundament. Zu diesem Fundament zählen die Meinungsvielfalt, die kritische, sachliche Auseinandersetzung mit dem Andersdenkenden und der gesunde Menschenverstand.
Noch ein persönliches Wort: Auch gegen mich richten sich viele Angriffe und meist kann ich nur staunen, was einige politische Tugendwächter mir (und neuerdings sogar meiner Familie!) alles an bösen Absichten und Taten nachsagen. Ich bitte um Verständnis dafür, dass ich derartige Anwürfe in der Regel schweigend übergehe. Aber Schweigen bedeutet keine Zustimmung. Vielmehr habe ich schlicht weder die Zeit, ständig Richtigstellungen zu schreiben, noch sehe ich es als meine Aufgabe an, mein Amt als Bundessprecher zu verteidigen. Vielmehr ist es meine (und unser aller) Aufgabe, den politischen Erfolg der AfD herbeizuführen.
Dieser politische Erfolg hängt entscheidend von unseren politischen Inhalten ab. Es ist meine feste Überzeugung, dass die AfD nur dann eine politische Zukunft hat, wenn sie als eine freiheitliche, soziale und werteorientierte Partei vernünftige, konstruktive Alternativen zur Politik der Altparteien formuliert: Alternativen zum Euro und Alternativen in Politikbereichen von A bis Z, von der Alterssicherung bis zur Zuwanderung. Es ist außerdem meine feste Überzeugung, dass die AfD nicht den Schatten eines Zweifels daran lassen darf, dass politischer Extremismus, Antisemitismus, Ausländerfeindlichkeit und religiöse Intoleranz mit dem Gedankengut der AfD als einer demokratischen Rechtsstaatspartei unvereinbar sind.
An der Ausformulierung unserer politischen Inhalte werden wir in der jetzt vor uns liegenden relativ wahlkampfarmen Zeit intensiv arbeiten müssen. Wir müssen ein vollständiges, richtungsweisendes Parteiprogramm entwickeln, das sich durch Kompetenz und Überzeugungskraft vor den Programmen aller anderen Parteien auszeichnet. Ein solches Programm unter Einbindung der gesamten Partei zu erarbeiten, ist eine gewaltige Aufgabe. Wir können es uns nicht leisten, unsere Kräfte durch internen Streit zu vergeuden. Bitte tragen Sie Ihren Teil dazu bei, dies zu verhindern und die Arbeit der AfD und den Einsatzwillen ihrer Mitglieder in konstruktive, sachdienliche Bahnen zu lenken.
Vielen Dank und mit freundlichen Grüßen
Ihr
Bernd Lucke“

Gerne wüßte ich, was Herr Lucke unter „isolieren Sie die Mitglieder, die Engagement mit Eiferei verwechseln“ versteht.

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