Steine ins Nest…

6 Nov

Der rote Vogel vom Donaudelta

Der rote Vogel...

Der rote Vogel…

Rumänische Ornithologen haben im Donaudelta einen rotgefiederten Vogel entdeckt, der ein unerklärliches Verhalten an den Tag legte. Der Fuchs stahl ihm jedes Jahr die Eier und legte ihm statt dessen Steine ins Nest, die er dann den ganzen Sommer lang bebrütete, ohne zu merken, daß es Steine waren. Um die gefährdete Art zu retten, verjagten die Ornithologen den Fuchs. Darauf wurde der Vogel zur Verblüffung jener Forscher, die ihn von weitem mit ihren Feldstechern beobachteten, von einer unerklärlichen Hysterie ergriffen; er zerbrach die Eier mit seinem Schnabel, schlug heftig mit den Flügeln und tanzte wie irrsinnig umher. Was war mit ihm? Welcher düstere Instinkt trieb ihn so zur Selbstvernichtung? Warum wollte er nicht länger leben? Wer konnte es wissen? Die Natur hatte den roten Vogel zum Tode verurteilt, und niemandem war die Macht verliehen, ihren Urteilsspruch aufzuheben?

(Preda, Marin, Delirul, Editura Cartea Romaneasca, Bukarest 1975, S. 311)

Für wen oder was ist der rote Vogel eine Metapher, ein vergleichbares Wesen? Was meint Ihr?

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2 Antworten to “Steine ins Nest…”

  1. Calium Januar 13, 2016 um 1:02 am #

    Ein guter Artikel: Ich kann dazu 2 Buchreihen empfehlen (kann man sich frei im Netz runterladen): „Beutewelt“ von Alexander Merow (dem besten Dystopie-Autor in dieser BRD, in meinen Augen) und „Der Überlebenskampf des nordischen Menschen“ eines gewissen H. Becker

    • niekisch Januar 13, 2016 um 10:51 am #

      Danke, Calium. Ich gehe dem nach.

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