Das Argument im eigentlichen Sinne…

23 Mrz

animierte-buchstaben-bilder-1036animierte-buchstaben-bilder-1020Metapolitika will sich die nächste Zeit mit Zitaten und Texten von Carl Schmitt beschäftigen. Der Ausgangsartikel ist hier:

https://diskuswerfer.wordpress.com/2016/03/20/das-verachtete-geschaeft-einer-ziemlich-verachteten-klasse/

Heute geht es um den Begriff  „Diskussion“, den Carl Schmitt neben dem Begriff „Öffentlichkeit“ für  d a s  wesentliche Prinzip des Parlaments und damit des Parlamentarismus hält (S. 5) Schmitts Text “ Die geistesgeschichtliche Lage des heutigen Parlamentaerismus wurde 1923 verfaßt, das Vorwort zur 2. Auflage wohl 1926, dennoch halte ich Schmitts Ausführungen für die damalige Zeit und erst recht für die heutige Verfallszeit für ausgesprochen treffend. Ich zitiere:

„Man darf die Begriffe nicht auflösen und das Spezifische der Diskussion nicht außer acht lassen.

Diskussion bedeutet einen Meinungsaustausch, der von dem Zweck beherrscht ist, den Gegner mit rationalen Argumenten von einer Wahrheit und Richtigkeit zu überzeugen oder sich von der Wahrheit und Richtigkeit überzeugen zu lassen. …Zur Diskussion gehören gemeinsame Überzeugungen als Prämissen, Bereitwilligkeit, sich überzeugen zu lassen, Unabhängigkeit von parteimäßiger Bindung, Unbefangenheit von egoistischen Interessen. Heute werden die meisten eine solche Uninteressiertheit kaum für möglich halten (S. 9)
Die Lage des Parlamentarismus ist heute so kritisch, weil die Entwicklung der modernen Massendemokratie die argumentierende öffentliche Diskussion zu einer leeren Formalität gemacht hat (S. 10) Die Parteien (die es nach dem Text der geschriebenen Verfassung offiziell gar nicht gibt), treten heute nicht mehr als diskutierende Meinungen, sondern als soziale oder wirtschaftliche Machtgruppen einander gegenüber, berechnen die beiderseitigen Interessen und Machtmöglichkeiten und schließen auf dieser faktischen grundlage Kompromisse und Koalitionen. Die Massen werden durch einen Propaganda – Apparat gewonnen, dessen größte Wirkungen auf einem Appell an nächstliegende Interessen und Leidenschaften beruhen. Das Argument im eigentlichen Sinne, das für die echte Diskussion charakteristisch ist, verschwindet. An seine Stelle tritt in den Verhandlungen der Parteien die zielbewußte Berechnung der Interessen und Machtchancen; in der Behandlung der Massen die plakatmäßig eindringliche Suggestion,….das Symbol. Man darf…wohl als bekannt voraussetzen, daß es sich heute nicht mehr darum handelt, den Gegner von einer Richtigkeit zu überzeugen, sondern die Mehrheit zu gewinnen, um mit ihr zu herrschen.“ (S.11)

Schon damals ist unsere heutige Problematik erkennbar: Gesetze entstehen nicht mehr aus einem Kampf der Meinungen und aus der Mitte des Parlamentes, sondern sozusagen vorgefertigt vorgelegt von Lobbyisten durch die Regierung, wobei sich derzeit sogar die Regierung auf die weit überwiegende Zahl der Abgeordneten ohne echte parlamentarische Opposition stützen kann. Das einzige Oppositonspflänzchen, die AfD, wird mit allen Mitteln der Symbolik und der Suggestion niederzuhalten versucht, ohne wirkliche argumentative, vernunftgeleitete Auseinandersetzung.

Nein, die Begriffe darf man nicht auflösen, sonst lösen sich auch der Mensch, das Menschentum, die Volkstümer, die Vielfaltigkeit der Welt auf. Die Vernunftfähigkeit der Menschen spiegelt sich in der Denkfähigkeit, der Wort- und Begriffsfindungsfähigkeit und im daraus folgenden menschlichen Handeln. Stellen wir uns den Auflösern aller Begriffe und Dinge entgegen und halten am für recht Befundenen fest, bilden Begriffe neu und verteidigen sie mit der Kraft der Argumente in der Diskussion, im Diskurs als notfalls heftigem Wortstreit. Überzeugt uns der Gegner, so sollten wir sein Gedankengut in unser Gedankengut einfügen, weil verlorenes gutes Gedankengut immer zum Sieg der Gegenseite beiträgt.

Gemeinsame Überzeugungen von Diskussionsteilnehmern unterschiedlicher Couleur gibt es heutzutage kaum noch. Denn im heutigen Deutschland gibt es keine gemeinsame Bindung an Volk, Vaterland, Nationalverfassung, Ehrbegriff, Pflichtauffassung, kulturelle Grundlage mehr. Alles wird und ist nahezu atomisiert auf dem Wege zur Totalauflösung in einem Weltstaat im Kleinen, der alle Bewohner der Welt auf deutschem Boden umfaßt.

Setzen wir der Diskussion als bloßes Herrschaftsinstrument den vernunft- und herzensgeleiteten Diskurs entgegen auf dem Wege zum Siege  über unsere Bedrücker!

Vorläuferblog und Archiv: http://metapolitika.wordpress.com/

Metapolitika unterstützt:EInProzentde

 

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