In einem neuen deutschen Reich…

25 Apr
Gastbeitrag

Gastbeitrag

Zu dem Artikel „Kommentar muß noch freigeschaltet  werden III“ hat freundlicherweise unser Leser „Hallo Zeitgeist“ einen etwas umfangreicheren Gastbeitrag eingereicht, den ich wie immer gerne hier veröffentliche, weil das „Schmoren im eigenen Saft“ uns nicht voranbringt. Es kommt mir momentan auch sehr entgegen, daß ich Unterstützung finde, weil ich momentan nur Zeit für kurze Beiträge finde.
Die Frage, wer in Deutschland  als Deutscher angesehen und behandelt werden kann, wurde auf Metapolitika schon des öfteren aufgeworfen, auch die aus Not geborene Frage des rechtlichen Status. „Hallo Zeitgeist“ gibt hierzu interessante Anregungen:

„Bezüglich des Bemühens von niekisch auf „Sezession im Netz,“ seine Meinung zu unserer deutschen Ursprungs-Bevölkerung zum Ausdruck zu bringen, sei eine ergänzende (sicher einigermaßen unorthodoxe) Überlegung vorgestellt: In dem Buch eines – nennen wir es – „futuristischen Genres“, das als „national“ umschrieben werden kann, ist eine recht interessante Vision formuliert. Sie verdient intellektuelle Aufmerksamkeit, unabhängig davon, ob man die in dem Buch ansonsten vorgestellten Prämissen und Rahmenbedingungen zu einer zukünftigen Situation persönlich als realistisch ansehen mag oder nicht. Deswegen sei hier nicht auf Titel und Autor eingegangen, würde die Erwähnung doch nur von der gedanklichen Essenz weg führen, um die es – abstrahiert von dem Buch – an dieser Stelle gehen soll.

Bei Linken „konkrete Utopie“

Als gesellschaftliches Merkmal in einem neuen deutschen Reich – so die Vision – würde es „Reichsbürger“ geben, die sich ethnisch auf mindestens fünf Generationen deutscher Abstammung zurück führen ließen und „Reichsangehörige,“ die in der Praxis durch gut integrierte Migranten gebildet würden. Aus einer solchen Differenzierung ergäbe sich natürlich mit innewohnender Logik, dass darin Rechte und Pflichten unterschiedlich verteilt würden. So hätte der Staat unter anderem eine Schutzpflicht gegenüber den Reichsangehörigen, wie diese wiederum aus ihrem Status heraus darauf zu achten hätten, dass sie eine Kultur- und Verhaltensform aus dem Eigenen kontinuierlich aufrecht erhalten, sich insbesondere in das System gültiger Rechtsnormen einfügen. Ob der Status auf Folgegenerationen übertragbar wäre, ließe sich diskutieren. So dezidiert ist es in dem betreffenden Buch nicht erörtert, aber es geht hier auf Metapolitika lediglich darum, die Konsequenz eines Denkansatzes ein Stück weiter zu entwickeln. Im linken Sprachgebrauch oder auch im Mainstream-Diskurs hieße so etwas im übrigen eine konkrete Utopie, die sich nicht unbedingt erfüllen muss, es ist aber eine ungefähre Richtung beschrieben.

Idee im gedanklichen Transfer

Machen wir einmal die Augen zu und stellen uns einen Augenblick vor, etwas wie oben beschrieben ließe sich auf Verhältnisse der Bundesrepublik übertragen. Würde das funktionieren oder nicht? Etwa für den Fall, dass sich die öffentliche Sicherheit und Ordnung bei uns in dramatischer Weise verschlechtert und parallel dazu womöglich die wirtschaftlichen Rahmendaten ins Taumeln geraten? In verschiedenen vorstellbaren Situationen könnten immerhin gesellschaftliche Dynamiken entstehen, die neue Überlegungen in den öffentlichen Diskurs eingehen ließen. Derzeit sind sogar in der FDP Überlegungen im Gespräch, echte Kriegsflüchtlinge vor allem aus Syrien eine Zeit lang hier zu behalten, bis in den Ursprungsländern wieder Frieden eingekehrt ist. Soweit, so gut. Nur könnte dies ungünstigenfalls mehr als ein bis zwei oder drei Jahre dauern. Welchen Status sollten die dann länger Hierbleibenden und gut Integrierten erhalten? Wenn man ihnen nicht die Aussicht auf volle Staatsbürgerschaft geben wollte, könnte für eine längere Überbrückungszeit eine „kleine Zugehörigkeit“ im obigen Sinne nicht völlig unrealistisch sein. Wie immer man das dann auch nennt. Ähnliches mag auch für neu angeworbene Akademiker aus dem Ausland und andere Kreise gelten.

Allerdings stellt sich die Frage, ob es tatsächlich relevante politische Kräfte geben würde, die oben erwähnte Ansätze auch nur halbwegs anzupacken in der Lage wären– ganz abgesehen von der generell erforderlichen Beschaffung einer verfassungsändernden Mehrheit. So bleibt die Idee – will man ihr folgen – aus gegenwärtiger Sicht erst einmal so etwas wie eine innere gedankliche Richtschnur, wie man persönlich sich idealerweise eine staatliche Entwicklung vorstellen könnte. Und das ist, so paradox es klingen mag, keineswegs unerheblich, sondern bedeutet viel.

Warum…? Es geht an dieser Stelle um die gedankliche Freiheit, die es unter DDR-light-Bedingungen zu verteidigen gilt. Es muss gewährleistet bleiben, dass Zukunftsentwürfe, bei denen anderen keine Gewalt angetan wird, die aber sehr wohl Unterscheidungen treffen, möglich sind. Zum Beispiel, wenn man Vergleichbares im privaten Gespräch oder in einer Kommentierung ausdrücklich als eine Form persönlicher Idealvorstellung erwähnt – und zwar unabhängig davon, ob es je dazu kommt. „Die Gedanken sind frei“, heißt es in dem 1842 von Hoffmann von Fallersleben in einer Sammlung von Volksliedern veröffentlichten Text, dessen Ursprung sogar schon auf die Zeit von 1780 zurück gehen soll. Gegenwärtig muss man sich – etwa am Arbeitsplatz – teilweise bereits umsehen, was man sagt, selbst wenn man eine in Bezug auf Migranten oder Flüchtlinge durchweg moderate und differenzierende Ausdrucksweise pflegt. In einer solchen Zeit erhalte man sich wenigstens innere gedankliche Gerüste, die für einen selbst mental zur Einordnung, gleichsam zur Katalogisierung vorstellbarer Szenarien – seien diese jeweils positiv oder negativ – zur Verfügung stehen. Es sollte letztlich auch meine Privatsache sein und bleiben, ob ich einen Migranten von meiner Empfindung her als Staatsbürger oder eher als Staatsangehörigen verstehe. Deswegen werde ich niemanden beleidigen oder Höflichkeit vermissen lassen. Aber es gibt so eine klare geistige Konstruktion zur persönlichen inneren Einordnung sogenannter „Passdeutscher“.

Wenn man mal genau hinhört…

Und noch etwas: Wenn man Gelegenheit hat, mit Migranten – etwa aus der Studentenszene – in Dialog zu kommen, kann man schon mal Erstaunliches hören. So sprechen diese teils recht unverdruckst etwa von „Deutsch-Deutschen“ im Gegensatz zu (unausgesprochen) anderen Deutschen, die per Ausweis Staatsangehörige geworden sind – also sehr wohl eine Differenzierung vornehmend. Eine Zeit lang war bei uns auch von „Volksdeutschen“ die Rede, die in die BRD zurückkehrten Nicht vergessen sei zudem, dass Roland Koch, weiland hessischer CDU-Ministerpräsident Ende der 1990er Jahre noch Wahlkampf mit dem Erhalt einer Abstammungs-Staatsangehörigkeit gemacht hatte. Heute wird es für den einen oder anderen dagegen fast schon justitiabel, Überlegungen zu formulieren, die auch nur ansatzweise in eine solche Richtung gehen. Zumindest möchte sich ein Blogger und Verleger wie Kubitschek wohl einen sogenannten „Shitstorm“ im Internet oder ähnliche Unbill ersparen. Das ist im Grunde genauso verständlich wie das Anliegen von niekisch, dabei zu bleiben, dass die Farbe „blau“ weiter „blau“ genannt werden darf, und dass nicht alle Farben plötzlich nur noch als „rot“ oder „grün“ bezeichnet werden dürfen. Insofern hat die Gegenwart schon etwas Kafkaeskes.

Abhilfe ließe sich eventuell dadurch schaffen, dass man auf sein ganz persönliches Empfinden hinweist, insofern keinen Allgemeingültigkeitsanspruch der Aussagen erhebt, sondern den subjektiven Faktor betont. Denn „die Gedanken sind frei“ – möge es so bleiben…!“

 

Vorläuferblog und Archiv: http://metapolitika.wordpress.com/

Metapolitika unterstützt: https://einprozent.de/Einprozent logo

 

 

Werbeanzeigen