Wirklich paradox?…II

16 Jul

Sezessions
begleitung

Martin Sellners Artikel in „Sezession“  https://sezession.de/57307/politische-paradoxien habe ich hier begonnen zu kommentieren, bespreche, ergänze und erweitere ihn angesichts des Textumfangs ohne Zitate Schritt für Schritt. Ich empfehle, ihn vorab aufmerksam zu lesen, ebenso wie „Wirklich paradox?…I“ Und nun weiter:

Als erste von zwei Paradoxien beschreibt Martin Sellner das sog. Political Identity Paradox. Er legt es fest auf die Aussage, mit starker Gruppenidentät und Abgrenzung zu „den Anderen“ ergebe sich Abstoßung und Isolation der Bewegung. Jede metapolitisch arbeitende Gruppe brauche ein konstantes Wachstum. Mit der starken Gruppenidentität verringerten sich jedoch die Möglichkeiten des Wachstums, die Bildung von Allianzen, die Anschlußfähigkeit und die Einflußnahme, was den politischen Zweck der Gruppe vereitele. Was die Gruppe als Treibstoff zum Aktivismus brauche, führe gleichzeitig gesetzmäßig zu ihrer Isolation. Was ihre Strahl- und Anziehungskraft ausmache, stoße gleichzeitig  ab.

Es macht keinen Sinn, daß wir das Geschilderte kommentieren und diskutieren, ohne uns zuvor mit den Begriffen „Paradox“ und „metapolitisch“ im Herkunfts- und Bedeutungssinn zu befassen.

Paradox setzt sich aus altgriechisch para = bei, in der Nähe von, entlang, von der Seite aus betrachtet und lateinisch doceo=dartun, lehren zusammen, wobei dann der Fremdwörterduden zu widersinnig, einen Widerspruch in sich enthaltend, eine scheinbar falsche Aussage, die aber bei genauerer Analyse auf eine höhere Wahrheit hinweist, als Definiton gelangt.

Verwenden wir den Begriff paradox – so geht es jedenfalls mir -, so löst er ein Überraschungsmoment aus und läßt uns dazu neigen, nicht vorurteilsfrei an die Bewertung einer Aussage heranzugehen. Daß bei genauerer Analyse der Widerspruch zu einer Synthese mit höherer Wahrheit führt, könnte sich beim „Political Identity Paradox“ erweisen.

„metapolitisch“ fußt ebenfalls auf altgriechisch und lat., nämlich meta=in der Mitte, mitten unter, unter ihnen, mit ihnen zusammen, auf jemandes Seite sein. Politicus bedeutet lat. staatswissenschaftlich, politisch.

Streng genommen paßt der seit längerem eingeführte Begriff „metapolitisch“ nach dessen wörtlicher Bedeutung nicht zu dem, was wir vorhaben: wir wollen ja die durch Worte und Begriffe gestützte Herrschaft der herrschenden Kräfte unter Definition und waffenmäßiger Verwendung neuer, eigener Worte und Begriffe erschüttern, deren Bastionen im vorpolitischen und politischen Raum möglichst gewaltlos erobern, den Gegner zunächst verdrängen und ihn unmittelbar danach möglichst für uns einzunehmen versuchen, ohne ihn zu demütigen. In einem alten Wörterbuch griechisch – deutsch von 1849 habe ich für unsere Aufgabe besser passende Begriffe als „metapolitisch“ gefunden, da sie weit über das Politische hinausgeht: metapipto= umschlagen, sich ändern; metapesoi beltiona= zum Besseren umschlagen; Tinos eis ti= übergehen aus etwas in einen anderen Zustand; meta-plasis= die Umbildung; meta-plasso=umformen, anders gestalten; meta-plexo=umflechten, anders flechten; meta-plomenoi=die anders Gewordenen, die Umgeschaffenen; meta-poiev=anders machen, umarbeiten, verändern; meta-poiäsis=Umarbeitung, Veränderung, Erneuerung und Ausbesserung.

Wer findet einen treffenderen Begriff als „metapolitisch“ oder „Metapolitik“? Metaplexisch? Metaplexie? Würde das den Gegner nicht überraschen und zum Diskurs zwingen?

Neue Worte – neue Welten!

Fortsetzung folgt.

Vorläuferblog und Archiv: http://metapolitika.wordpress.com/

Metapolitika unterstützt:EInProzentde

 

 

 

 

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