NZZ – Geschrei zu Sieferle..

1 Aug

Ellen Kositza bespricht „Finis Germania“:

 

Die NZZ zerreißt das Werk. Hier ein ausführliches Zitat zum Kernpunkt. Ich kommentiere in den gefetteten und kursiven Text:

„…Sieferle arbeitet sich an dem ab, was bei der neuen Rechten als sogenannter «Schuldkult» firmiert. – Der  Schuldkult firmiert nicht nur bei der neuen Rechten, sondern er existiert tatsächlich und ganz allgemein, immer wieder neu aufpoliert. Die Schuld existiert und der Kult ebenso, wobei beide besonders und ausnahmetatbestandsmäßig gesetzlich beschützt und unantastbar sind. Stolpersteine müssen durch Schulkinder mit Zahnbürsten sauber geschrubbt werden, mangelnder Respekt ihnen gegenüber kann strafbar sein. Ihr Verlegen und Bewahren ist Kulthandlung. Prozessionen führen nach Yad Vashem, die jüdische „Lesung des Sabbat des Eingedenkens“ ist die einzige Pflichtlesung während des Jahres und wird ausnahmsweise stehend gehört. Damit der „deutsche Amalek“ nie vergessen wird. Sieferle hat sich also an etwas Tatsächlichem „abgearbeitet“, nicht an einer Fiktion – Die Tatsache, dass Deutschland sich bis heute um eine bestmögliche Aufarbeitung des «Dritten Reichs», speziell der Shoah, bemüht, soll ins Absurde gezogen werden. – Woran genau ist das bitte festzumachen? Wird das  g e s a m t e  „Dritte Reich“  aufgearbeitet? Oder immer nur Mosaiksteinchen davon? Je nach volkspädagogischer Intention und niemals entlastend. Will der Autor Sieferle die Shoah ins Absurde ziehen? Woran genau ist das zu belegen? Ist nicht die Shoa selber in mancherlei Hinsicht eine absurde Erscheinung, weil sie entgegen sonstiger juristischer Gepflogenheit nie kriminalistisch bzgl. Taten, Tatorten und Opfern untersucht worden ist? – Die  Ver- gangenheitsbewältigung wird als eigene «Staatsreligion» namens Holocaust hingestellt, deren Dogma so repetitiv wie unanfechtbar sei…. –  Dieser Satz ist schon in sich selber widersprüchlich: Dogmen sind immer nur Teile einer Religion und daher ist nicht die gesamte Religion unanfechtbar. Der Holocaust aber ist insgesamt unanfechtbar, so daß er garkeine Religion sein kann. Das meint Sieferle auch nicht. Er meint vielmehr, daß der Umgang mit dem Holocaust als „Staatsreligion“ anzusehen sei. Das allerdings stimmt nicht nur, es wird noch übertroffen, weil es hier nicht um einen rein persönlichen Glauben geht, sondern zugleich auch um Strafrecht, so daß der Holocaust sozusagen zu seiem Schutz von Bajonetten umstellt ist –  Das Relativieren der deutschen Schuld im Gewand legitimer Meinungsfreiheit ist spätestens seit der Causa Walser nichts Neues mehr – Sieferle verbrämt es lediglich mit mythologisch aufgeladenen Gleichsetzungs- und Untergangsphantasmen – Ein Relativieren deutscher Schuld im Gewand legitimer Meinungsfreiheit gibt es nicht, liebe NZZ, denn die Meinungsfreiheit ist bzgl. des Holocaust partiell aufgehoben, die deskriptive Meinung ist gesetzlich vorgeschrieben – Die Deutschen seien wie die Juden ein zum Sündenbock – nein, mehr: Amalekiter – verdammtes Volk, da der Holocaust ein bis heute unverzeihliches Verbrechen sei: «Die Welt braucht offenbar Juden oder  Deutsche, um sich ihrer moralischen Qualitäten sicher zu sein.» – eher des Bösen sicher zu sein – beschwörendem Duktus wird da von einem «Drama alttestamentarischer Härte» gefaselt, und biblische Bilderwelten werden mit einem kruden teleologischen Geschichtsverständnis verbunden: «Adam Hitler wird durch keinen Jesus aufgehoben.» Diese Passagen sind dermassen zusammengesponnen, dass vorrangig der Vorwurf eines dadaistisch-de­li­rie­renden Stammtischgeblubbers in Buchform greift als der des Antisemitismus. – „alttestamentarische Härte“ nur Geblubber? Jakob Taubes jedenfalls sah den Gesamtzusammenhang um Hitler und den Holocaust als weltgeschichtliche Auseinandersetzung mit dem „erwählten Heilsvolk der Juden“ und so lief der geschichtliche Vorgang auch ab, nicht nur Hitlerseits – Wer in «Finis Germania» antisemitische Töne finden will, wird sie je nach Antisemitismus-Definition aus diesem Behauptungs-Aquarium – es gibt auch Behauptungsmeere –  sicherlich herausfischen können. Doch erwischt er damit nur einen Aspekt eines kaum aufzudröselnden Bündels von eklektischer antimodernistischer Pauschal-Rhetorik. Schliesslich entwirft Sieferle eine Weltdeutung mit dem «Auschwitz-Mythos» im Zentrum, der noch als letzte Bastion absoluter Gewissheit – wohl aufgrund nackter Angst um ein baldiges Zerbröseln der Mauern dieser Bastion auf Seiten der Mythologen – dienen soll, wo sonst überall der Zweifel nagt: «Die Festschreibung des Auschwitz-Mythos kann daher als der Versuch verstanden werden, einer skeptischen Welt Gewissheiten zurückzugeben.» – nein, posthum an Herrn Sieferle: nicht einer skeptischen Welt Gewissheiten zurückgeben, sondern Skepsis in einer indoktrinierten Welt garnicht erst aufkommen zu lassen  – Von dort aus ist es nur einen Schritt weit zu einer Kritik des Antifaschismus, der, ebenfalls zur Staatsdoktrin geworden, zweierlei Mass an völkisches Denken anlege. Während andere Ethnien ihre Besonderheiten ausleben dürften, seien die Deutschen auf ewig dazu verdammt, «absolute Täter» zu sein.“ ( NZZ v. 27.7.2017 )

 

Auf ewig dazu verdammt?

„Wacht auf, Verdammte dieser Erde,
die stets man zum Altare zwingt!
Tief versenkt im Kraterherde
wacher Sinn zum Durchbruch dringt.
Mach reinen Tisch mit den Bedrängern!
Heer der Sklaven, wache auf!
Gehirngewaschnes Nichts zu sein, trag es nicht länger,
frei zu werden, strömt zuhauf!“

Und nun noch Götz Kubitschek der Lage angemessen im Gespräch zum Thema:

 

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