Zum Helden erwachsen?…

6 Mai

Schwarz ist Weiss –
Weiss ist Schwarz

Schon am 29.4.2018 veröffentlichte die „Welt am Sonntag“ in der Druckausgabe einen Artikel zum gestrigen 200. Geburtstag von Karl Mordechai(Marx) unter dem Titel:“ Wie Marx zum Helden der neuen Rechten wurde“. Wenn man verstehen wolle, was Marks beunruhigend aktuell mache, solle man über den neuen Marxismus von rechts Bescheid wissen. Die AfD feile engagiert an ihrem Image bei Arbeitern und Facharbeitern, dränge in die Betriebe und sei an der Gründung rechter Gewerkschaften interessiert. Die „Sezession“ setze in diesem Frühjahr einen Themenschwerpunkt auf Marx und die Kapitalismuskritik, wobei als Einflüsterer Alain de Benoist gelten könne. Die WaS verweist auf dessen Werke „Kulturrevolution von rechts“ und auf die Ausatzsammlung „Schöne vernetzte Welt“. Aus der Geißelung des Wirtschaftsliberalismus solle nur kein Kommunismus entstehen, so viel Marx-Distanz gehöre dann doch zur DNA der Rechten. Im übrigen aber verwende man Begriffe von links, die AfD besitze eine programmatische Nähe zur Linkspartei, die ihrerseits ebenso wie die SPD schon längst ihren „Frieden mit dem Kapital“ gemacht habe. Der vorherrschende Linksliberalismus – so die Rechte- achte den einheimischen Arbeiter nicht mehr und für „rechte Kapitalismuskritik“ schlage lt. „Sezession“  heute und in Zukunft die Stunde. Der Staat sei im konservativen, nicht vom kapitalistischen Geist durchdrungenen Sinn auch einer für die vom real existierenden Kapitalismus Überforderten.

Verblüffend -so die Welt- sei, wie offen rechts andererseits bekennende „Marxisten“ heute argumentierten, wenn es um eine eindeutige Position gegen Zuwanderung gehe. Sie nennt den italienischen Philososphen Diego Fusaro und sein Werk „Schon wieder Marx“, der sich als Hegel und Marx-Schüler geoutet habe. Die Zuwanderung sei, so Fusaro, die derzeit kostbarste Waffe des globalen Turbokapitalismus, um die Kosten der Arbeitskraft in Europa weiter zu drücken. Für Fusaro ein von der global-liberalen Kapitalismuselite bewußt herbeigeführtes Szenario der Dritte Welt-Werdung Europas, der „Volksgeist“ (Hegel) werde mit der weltweiten Massenmigration von Arbeitskräften atomisiert. Das klinge – so die Welt – weniger nach Marx denn als identitär. Neue Rechte läsen ihren Marx nicht nur als visionären Analytiker, noch lieber als Apokalyptiker, wobei die bei Marx stets international angedachten Belange der Lohnarbeiter in einer kruden Volte zur nationalen Frage umetikettiert würden, für Marc Jongen, den „Chefdenker“ der AfD bestehe Interesse eher am Kampf der Kulturen als am Klassenkampf. Es gebe einen parallelen Kampf von alter Linker und neuer Rechter gegen den Liberalismus im wirtschaftlichen Sinne unter Entdecken identitärer und/oder souveränistischer Konzepte. Nicht zufällig benutzen „Sezession“ und Diego Fusaro den Begriff „autochthoner Arbeitnehmer“. Die Welt ist der Auffassung, die neue Rechte agiere seit einigen Jahren auch deshalb erfolgreich, weil sie im Handeln dem Gebot eines der wichtigsten Marxisten aller Zeiten folge, metapolitisch vorzugehen, d.h. der Theorie der Metapolitik zu folgen. Danach sei ohne einen Mentalitätswandel in Medien, Museen, Schulen eine Revolution nicht möglich. Wenn man die Macht nicht habe, müsse man sich die Kultur holen. Die Welt verweist auf das „metapolitische Zeitschriftenprojekt“ der Sezession und Alain de Benoists Empfehlung, mehr Theorie aufzubauen und von Gramsci zu lernen. Sie konstatiert, das Kopieren typisch linker Protestformen sei ein konstitutiver Teil des heutigen Erfolges der Rechten und verweist auf das Buch „Die Angstmacher “ von Thomas Wagner. Die rechte Metapolitik wolle an Greenpeace- Aktivismus erinnern. Zum Schluß fragt sich die Welt, was diese Ballung von antikapitalistisch, antiglobal und antiliberal bedeute. Rechts? Links? National? Sozialistisch? und zitiert die Historiker mit deren Feststellung, es habe schon immer zusammengehangen. Nicht umsonst habe es national-sozialistische Arbeiterpartei geheißen und man habe ein Kategorienproblem.

Zu Marxens Geburtstag hätten sich ungefragt auch neue Rechte eingeladen.

Unter den Kategorien „Grundsätzliches“ und „Metapolitisches“ hat Metapolitika sich schon im Vorläuferblog http://www.metapolitika.wordpress.com mit diesen Fragen auseinandergesetzt, auch zum Entwurf eines modernen nationalen Sozialismus mit systemischer Kapitalismuskritik ohne Herabwürdigung anderer Menschen und Völker.

Lassen wir all das zunächst auf uns einwirken und kommen im Laufe der Zeit wieder darauf zurück. Es drängt die Lage heran, die uns zu Fronten überschreitender Zusammenarbeit aller gutwilligen Deutschen und Europäer zwingt, wobei ich eine Prognose wage:

Die deutsche und europäische Selbstbehauptung im Meer der Fremden wird eher einen religiös – metaphysischen Charakter haben als einen politischen Anstrich. Unter Minderheitsverhältnissen helfen nur noch Charakter und Kultur zum Überleben.

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