„Aufstehen“….aber wie?

6 Aug

Links? Rechts? -Querfront?

Üblicherweise stehen wir von einer Sitzgelegenheit gleichmäßig auf, heben also beide Teile unseres Gesäßes an, das linke und das rechte, um aufzustehen. Das wird wohl bei der von Sahra Wagenknecht (mit?)initiierten Sammlungs-bewegung „Aufstehen“ nicht so sein. Da erhebt sich dem Anschein nach nur die linke Arschbacke, was allerdings die Möglichkeit in sich birgt, daß der Aufstehende  nach rechts kippt.

Die Sezession beschäftigt sich mit dem Neugeborenen hier und Autor Benedikt Kaisers Kernsatz lautet: „Weil man also nicht akzeptieren will, daß das linke Lager von der AfD getrieben wird, läßt man sich dazu treiben, ein die gesamte bundesdeutsche Linke potentiell unterminierendes, weil aufsprengendes und tendenziell spaltendes Von-oben-Konstrukt zu plazieren, das inhaltlich mannigfaltige populistische Ansätze absorbiert, die von der AfD besser, da authentischer, vertreten werden können.“

Da scheint mir Vorsicht geboten. Denn wer will momentan wissen, von wem letztlich die Initiative ausgegangen ist, ob das Projekt wirklich die gesamte deutsche Linke unterminieren kann, aufsprengend und spaltend sowie absorbierend wirken wird. Ist es wirklich realistisch, daß „Aufstehen“ zum Staubsauger gegen die AfD werden kann?

Wir werden es sehen, zunächst aber fortlaufend einen Blick auf die Kommentierungen zum Artikel werfen. Möglicherweise bringen sie Licht ins Dunkel von Benedikt Kaisers Prognose.

Zugleich empfehle ich, sich bei „Aufstehen“ kostenlos anzumelden, um ein wenig Querfrontarbeit zu leisten. Denn was ist schöner und beglückender als das Motto „Souveränität – Identität – Sozialität“ Metapolitikas in Sahra Wagenknechts Sammlungsbewegung metapolitisch- osmotisch wenigstens einfließen zu lassen.

Der erste Kommentar von „Martin Himstedt“ ist schon da. Er verweist auf die durch Wagenknecht verwendeten und mit der „neuen Rechten“ deckungsgleichen Thesen und sieht „Aufstehen“ nicht als Rettungsanker für die Linke, sondern als letztes Aufbäumen „linkssozialdemokratischer Restvernunft“ gepaart mit nationalstaatlicher Pragmatik, die dem linken Lager allerdings zu weit gehe.

Blüht da nicht ein zumindest kleines geistiges Querfrontpflänzchen, wenn Sahra Wagenknecht z.B. die Unvereinbarkeit von Sozialstaat und offenen Grenzen sowie als Voraussetzung für die Demokratie mit dem Art. 20 Grundgesetz ein zumindest halbwegs homogenes Volk postuliert?

Ehemann und Mann im Hintergrund Oskar Lafontaine meldet sich.

„Gegen grenzenlose Willkommenskultur“ – das sind schon einmal 10 cm Aufstehen.

„Maiordomus“ kommentiert und bescheinigt Autor Benedikt Kaiser, er habe einen analytischen Glanzpunkt gesetzt und gibt zu bedenken, die AfD wimmele von politisch Ahnungslosen, wobei ich ihm hinsichtlich des Letzteren zustimme und noch ergänze, daß besonders aus der CDU Leute in die AfD geströmt sind, die es lange, allzu lange, in diesem Verein ausgehalten haben, obwohl dessen volksfeindliche Politik zumindest seit 1965 klar erkennbar war.

Analytischer Glanzpunkt? Da kann ich nicht vollständig zustimmen: „Aufstehen“ den Reinfall beim Start zu unterstellen ist analytisch zu wenig substantiiert. Das Vorhaben ist ebenso von wenigen Köpfen erdacht, konstruiert und klandestin entwickelt worden wie die zur AfD führende „Wählerinitiative 2013“, die dann ja erfolgreich wurde. Lebendige Prozesse der Basis sind in der Anfangsphase der AfD ebenfalls vernachlässigbar. In weiten Bereichen des Landes ist die Partei noch heute auf garkeine oder eine nur sehr schwache Basis gegründet. Auch die Vorläuferbemühungen der AfD kamen nicht ohne digitale Werkzeuge aus. Gleiches gilt für die Wohlfühlfloskeln von „Aufstehen“, die bei der AfD ebenfalls blühten. Substantielle Ansätze als condito sine qua non für das Existieren einer volksnahen, populistischen Bewegung? Eine gewagte Behauptung. Denn das Volk fühlt zumindest anfangs mehr als es verstandesgemäß aufnimmt, erst dann argumentiert es substantiell und anschließend handelt es in Notsituationen. Ich halte es nicht für verwegen zu behaupten, im Startpaket von „Aufstehen“ liege zumindest partiell mehr Substanz als im unbedarften Vortrag mancher AfDler, der auch heute noch erkennen läßt, in welchem Politsandkasten sie jahrzehntelang spielten, ohne eine wirkliche Burg zu bauen. Daß für „Aufstehen“ auch nach dem für September 2018 geplanten Vorstellen von 40 prominenten Unterstützern keine Dynamik entstehen kann, läßt sich nur behaupten, aber nicht per Anschein beweisen. Auch nicht am Abstandhalten anderer Personen oder einer Konkurrenz-situation, denn zunächst einmal wird sich der Gang dieser Bewegung an ihrer Lebendigkeit selber erweisen.

Es stimmt: die Linke in Deutschland   w i l l   vieles nicht begreifen, das gilt aber auch für AfD, Identitäre Bewegung, Pegida und andere Versuche. Das interessante Phänomen sehe ich insoweit darin, daß aufgrund mainstream – Propaganda gerade die Kernfragen deutscher Politik gerade  „rechts“ gemieden werden wie das Weihwasser vom Teufel: systemische Kapitalismuskritik, Demographieproblem ohne jede Zuwanderung, geschichtliche Wahrheit, soziale Gerechtigkeit, Souveränität, Identität. Auf beiden Seiten wird immer nur an der Patina gekratzt statt mit der Stahlbürste gewütet. Auf beiden Seiten kann von der erforderlichen Fundamentalopposition keine Rede sein, am wenigsten auf der Rechten, die immer auf der Flucht vor der Konsequenz ist. Dagegen ist die alte Frau Haverbeck eine Titanin. Sie ist einer der wenigen Menschen, die sich vom fauligen Abwasser des mainstreams nicht beherrschen lassen.

Der Linken und der Rechten Not sind auf Dauer Deutschlands Tod!

Wie schön wäre es, marschierten mit Lösungen für die genannten Kernfragen im Tornister linke und rechte Avantgardisten vereint, wenn auch nicht im Gleichschritt über die schwankende Brücke der Verständigung ohne Scheuklappen aufeinander zu und es könnte tatsächlich zu einem antimaterialistischen und antiinternationalistischen Aufstand der Aufstehenden in Deutschland kommen.

Daß Benedikt Kaiser der Linken Notsituation erfeulich findet, das finde ich gerade unerfreulich. Denn ohne das Beste für die Besten von rechts und links ist Rettung aus des gesamten Volkes Notsituation garnicht denkbar.

Von der AfD ist nichts anderes zu erwarten als das Enttäuschen der Erwartung, sie sei mehr als ein wutbürgerlicher Rammstoß, der sich auf Dauer als der verfliegende Furz von mehrheitlich Hasenfüßen erweisen wird.

Der Gehenkte rät zur Vorsicht gegenüber Vorab-Wertungen wie auch ich. Er setzt Irrealpolitik mit linker Politik gleich, was allerdings nicht nur eine Vorab-Wertung, sondern eine Falschbewertung sein dürfte. Die Linken haben der Rechten in der Realpolitik viel voraus, insbesondere auf dem Gebiet des Sozialen und der systemischen Kapitalismuskritik.

Je tiefer sich die Linke in die Krise reite, desto stärker – so meint er – das Bedürfnis nach Alternativen und Projektionsflächen – kein neues Phänomen – und desto wahrscheinlicher ein Erfolg der Bewegung.

Deshalb mein erneuter und verstärkter Aufruf: meldet Euch bei den Aufstehenden an, liefert ihnen unsere Alternativen ( Souveränität – Identität – Sozialität ) und unsere Narrative geschichtlicher und futurischer Natur als Morgengabe für die Einheit.

 

Die Kommentierung der Kommentare wird in einem neuen Artikel II. fortgesetzt.

 

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