Nur zwölf Zentimeter…

15 Okt

Ostdeutschland 1945:

„Die Straßen sind scheinbar vereinsamt, aber der Schein trügt. Den Knotenstock in der Hand, in abenteuerlicher Verkleidung, wandern die der Gefangenschaft entgangenen Reste der deutschen Armee, ziehen Geflüchtete, heimwärts Strebende, Suchende und Verirrte durch das..Land. Doch schon das geringste Geräusch, einfaches Räderrollen oder das eines Motors, hat panikartige Fluchtbewegungen zur Folge. Es rauscht in den Büschen, bewegt sich an den Straßenrändern, knackt im Unterholz – und die Straße ist ausgestorben, leer, todeseinsam. Obacht ist das Gebot der Stunde, ist wichtiger als Essen und Trinken oder eine Lagerstatt zur Nacht. Jedes verlassene Haus kann vernichtende Gefahren bergen. In jeder Ruine kann der Tod lauern. und es gibt viele verlassene Häuser und Ruinen, rauchgeschwärzt, von Verwesungsgerüchen umwittert. Einmal sitzt die Familie noch um den Tisch, das Mittagsmahl vor sich, Vater, Mutter und vier Kinder. Tot, Zyankali. In einem anderen Haus hatten sich acht  Frauen mit ihren Kindern zusammengefunden, als die Eroberung begann. Am nächsten Morgen findet man sie auf einer Wiese , die nur zwölf Zentimeter unter Wasser stand. Dort haben sich die Verzweifelten ertränkt. Seitdem betreten die Nachbarn das Grundstück nicht mehr“

( Koepke, Cordula, Blaue Wälder – Weiße Dünen, Erinnerungen an Pommern, Verlag Gerhard Rautenberg, Leer 1967, S. 115 )

Ob dieser Text zu den Ereignissen von 1945 bei der Eroberung Deutschlands durch seine Feinde bis heute auch nur an einer einzigen deutschen Schule einer einzigen Schülerin oder einem einzigen Schüler zu Gehör gelangt ist?

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